Suche

Kooperationspartner

Progether

 

Soziale Medien

 

Twitterlogo     Facebooklogo

×

Warnung

JUser: :_load: Fehler beim Laden des Benutzers mit der ID: 398

Active Surveillance (Aktive Überwachung)

Active Surveillance (aktive Überwachung), AS

Die Active Surveillance (diese aus dem Englischen stammende Bezeichnung wird auch im deutschen Sprachgebrauch überwiegend benutzt) ist keine tatsächliche Therapie, sondern eine Behandlungsstrategie. Ihr liegt die Erkenntnis zugrunde, dass bei vielen Männern zwar ein Prostatakrebs diagnostiziert wird, dieser aber zeitlebens keine Symptome verursachen wird und darum nicht behandlungs-, wohl aber beobachtungsbedürftig ist. Bisher wurden solche Männer durchweg einer "kurativen Therapie" unterzogen, d. h. operiert oder bestrahlt und damit übertherapiert mit lebenslangen Folgen. Allerdings ist nicht gewährleistet, dass ein zum Zeitpunkt der Diagnose insignifikantes, nicht behandlungsbedürftiges Prostatakarzinom diese günstige Eigenschaft bis zum Ableben des betreffenden Mannes aufgrund einer anderen Ursache beibehält. Eine ständige Kontrolle ist deshalb unerlässlich, daher der Begriff "aktive Überwachung".

Mit der "Interdisziplinären Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms" ("S3-Leitlinie"), die im September 2009 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde und den aktuellen Stand der Schulmedizin zur Behandlung des Prostatakarzinoms darstellt, wurde erstmals in der Geschichte der deutschen Urologie aus dieser Erkenntnis eine Behandlungsstrategie definiert. Bis zum Erscheinen der Leitlinie galt der eherne Grundsatz, dass jedes Prostatakarzinom behandlungsbedürftig sei.

Man geht dabei davon aus, dass ein Prostatakarzinom nicht zwingend sofort behandlungsbedürftig zu sein braucht, wenn die folgenden Parameter gegeben sind:

  • PSA-Wert ≤ 10 ng/ml;
  • Gleason-Score ≤ 6
  • Tumorstadium T1c und T2a;
  • Tumor in ≤ 2 von 10-12 Stanzen;
  • ≤ 50 % Tumor in einer Stanze.

Ferner heißt es in der Leitlinie:

  • "Patienten mit einem lokal begrenzten PCa, die für eine lokale kurative Behandlung in Frage kommen, sollen nicht nur über Behandlungsverfahren wie radikale Prostatektomie, Strahlentherapie und Brachytherapie, sondern auch über Active Surveillance (AS) informiert werden.
  • Bei Patienten mit lokal begrenztem PCa, die für eine kurative Behandlung in Frage kommen, sollen die unerwünschtenWirkungen und Therapiefolgen von radikaler Prostatektomie, perkutaner Strahlentherapie und Brachytherapie gegen das Risiko einer nicht rechtzeitigen Behandlung im Falle einer Active-Surveillance-Strategie abgewogen werden.
  • Der Tumor soll in den ersten beiden Jahren durch PSA-Bestimmung und digitale rektale Untersuchung (DRU) alle drei Monate kontrolliert werden. Bleibt der PSA-Wert stabil, ist sechsmonatlich zu untersuchen. Biopsien sollen alle 12 bis 18 Monate vorgenommen werden.
  • Active Surveillance soll verlassen werden, wenn sich die PSA-Verdopplungszeit auf weniger als drei Jahre verkürzt oder sich der Malignitätsgrad auf einen Gleason-Score über 6 verschlechtert.

Es ist denkbar, dass dies noch nicht der Weisheit letzter Schluss ist und dass mit wachsender Erfahrung der Ärzteschaft mit der AS die oben aufgelisteten Kriterien noch modifiziert und/oder ergänzt werden.

Auch in USA hat man sich intensiv mit dem Thema Active Surveillance auseinandergesetzt. Dr. Duke K. Bahn vom Prostate Institute of America propagiert eine gegenüber der obenstehenden etwas abweichende und darüberhinaus erweiterte Liste von Kriterien, die für die Wahl der AS erfüllt sein sollten:

  • Gleason Score: ≤ 6, evtl. 7a (3 + 4);
  • PSA: ≤ 10 ng/ml (PSA-Dichte ≤ 0,15) *);
  • Tumorstadium: T1c - T2a; T2b beim Vorliegen einer Komorbidität;
  • Anzahl positiver Stanzproben: ≤ 1/3 aller Stanzproben einer Biopsie;
  • Tumorbefall der Stanzproben: < 50 %;
  • PSA-Verdoppelungszeit: > 2 Jahre, besser > 3 Jahre
  • Neovascularität des Tumors im Farbdoppler-Ultraschall: 1+ oder darunter;
  • Tumorvolumen im Farbdoppler-Ultraschall: < 1 cm³;
  • PCA3-Test: < 35 (Tumorvolumen < 0,5 cm³);
  • Ploidiegrad: Diploid**).

*) Die PSA-Dichte ist der Quotient aus dem PSA-Wert und dem Prostatavolumen
**) Mit dem Ploidiegrad bezeichnet man die Anzahl der vollständigen Chromosomensätze in einer Zelle. Zu seiner Bestimmung ist eine spezielle Untersuchung, die DNA-Zytometrie, erforderlich.

Dr. Bahn ist Radiologe und Spezialist beim Einsatz des Farbdoppler-Ultraschalls in der Diagnostik des Prostatakrebses. In deutschen urologischen Praxen ist ein solches Gerät kaum vorhanden. Der PCA3-Test wird in Deutschland erst von zwei Labors angeboten, wird von den Krankenkassen nicht bezahlt und kostet etwa 350,- €. Das Bestimmen des Ploidiegrades aus Stanzproben ist zwar bekannt, wird aber kaum praktiziert, weil der Aussagewert dieser Diagnostik unklar ist.

Ob irgendwann doch eine aggressivere Behandlung (zumeist Prostatektomie oder Bestrahlung) mit "kurativer Intention" (dem Ziel, die Erkrankung definitv zu heilen) erforderlich wird, hängt somit von der weiteren Entwicklung der Erkrankung ab. Zumindest gewinnt der Patient Lebensjahre ohne eine Beeinträchtigung der Lebensqualität, wenn man von der seelischen Belastung durch das Bewusstsein absieht, an Krebs erkrankt zu sein und "nichts dagegen zu tun".

In keiner der beiden Festlegungen ist übrigens etwas über eine untere oder obere Altersgrenze ausgesagt.

Nicht unbeachtet bleiben sollte, dass – wie schon oben angedeutet – das Praktizieren der Active Surveillance für den Betroffenen eine nicht unerhebliche nervliche Belastung  darstellen kann ("der Krebs spielt sich im Kopf ab"). Männer, die bisher vom Prostatakrebs allenfalls das Wort kannten, sind häufig der Meinung, dass eine unbehandelte Krebserkrankung binnen kürzester Zeit zum Tode führen wird. Dies gilt tatsächlich für einige Krebsarten, aber nicht oder nur in ganz seltenen Fällen für den Prostatakrebs, der in vielen Fällen sehr langsam wächst, was mittels des Bestimmens der PSA-Verdoppelungszeit sehr gut kontrolliert werden kann. Diese Männer müssen sich erst an den Gedanken gewöhnen, zwar einen Krebs im Körper zu haben, aber nicht aggressiv gegen ihn vorgehen zu müssen.

Auf der anderen Seite kann das Fehlen der Behandlungsbedürftigkeit der Erkrankung den Betroffenen dazu verführen, die ständige regelmäßige Kontrolle per PSA-Wert-Bestimmung (laut Leitlinie alle drei Monate) zu vernachlässigen und dann den Zeitpunkt zu verpassen, ab dem die Erkrankung zqar doch behandlungsbedürftig wird, eine Intervention in Form einer Operation oder Bestrahlung noch eine vollständige Heilung bewirken kann. Der Betroffene muss also unbedingt die erforderliche Selbstdisziplin wahren. Dies sollte ein geringer Preis sein für den Erhalt der vollen Lebensqualität. Es ist unbedingt ratsam, dass der Betroffene sich zum "empowered patient" macht, d. h. zum selbstbestimmten, über die vielen Facetten seiner Erkrankung sowie ihrer Diagnostik und Behandlung gut informierten Patienten. Ein Patient, der nicht gewillt ist, sich aktiv mit seiner Erkrankung auseinanderzusetzen, sollte von der Aktiven Überwachung wohl besser Abstand nehmen.

Die Active Surveillance darf nicht verwechselt werden mit dem Watchful Waiting, einer anderen  Behandlungsstrategie für einen anderen Patientenkreis.

Literatur zu Active Surveillance:

Empfehlenswert im Rahmen der Eigeninitiative:

Diese Excel-Tabelle, die aus den PSA-Messungen und etwaigen weiteren diagnostischen Untersuchungen die PSA-Verdoppelungszeit, die PSA-Anstiegsgeschwindigkeit, die PSA-Dichte und ggf. einige weitere Parameter bestimmt, die zur Entscheidungsfindung für oder gegen die Active Surveillance beitragen können.

rrd, 7.3.2010
1. Überarbeitung 7.4.2010
2. Überarbeitung 18.2.2011

3. Überarbeitung 8.5.2011

4. Überarbeitung 17.3.2012

Termine

2020
23. August 2020
175-jähriges Jubiläum des St.-Marienhospitals in Borken
10.00 bis 18.00 Uhr
Veranstalter: St.-Marienhospital Borken
Veranstaltungsort: St. Marienhospital, Am Boltenhof 7, 46325 Borken
Die SHG Borken und Umgebung wird mit einem Infostand vertreten sein

 

1. September 2020
Vortrag von Chefarzt PD Dr. G. Meckenstock, Marienhospital GE: „Aktuelle Entwicklung in der medikamentösen Tumortherapie“
18.00 Uhr
Veranstalter: SHG Gelsenkirchen
Veranstaltungsort: Seminarraum der REHA-Klinik Bergmannsheil, Schernerweg 4, 45894 Gelsenkirchen-Buer (Haupteingang: Links durch die Lobby, dem langen Gang bis in den nächsten Gebäudetrakt folgen)

 

14. September 2020
Gruppengespräch mit Facharzt M. Lünzmann, Urologe in Bottrop
18.00 Uhr
Veranstalter: SHG Bottrop
Veranstaltungsort: AWO-Bürgerhaus Batenbrock, Ziegelstr. 15, 46238 Bottrop

 

6. Oktober 2020
Vortrag von Dr. Christian Kories, Facharzt für Urologie : „Immuntherapie bei Prostatakrebs“
18.00 Uhr
Veranstalter: SHG Gelsenkirchen
Veranstaltungsort: Seminarraum der REHA-Klinik Bergmannsheil, Schernerweg 4, 45894 Gelsenkirchen-Buer (Haupteingang: Links durch die Lobby, dem langen Gang bis in den nächsten Gebäudetrakt folgen)

 

10. Oktober 2020
Patientenforum mit Vorträgen von Prof. Schlomm: „Frühzeitiger Zugang zu innovativen Behandlungsmethoden im Hauptstadturologie Netzwerk für Patienten, Ärzte und Klinikum"; Dr. Schenk: „Erfahrung eines langjährig erfolgreich tätigen Urologen bei der Behandlung des Prostatakrebses und die Motivation zur Gründung eines Prostatakarzinom-Zentrums"; Dr. Tillak: „Arbeit des klinischen Krebsregisters für Brandenburg und Berlin"; Prof. Popken: „Die Macht der Maschinen – Wandel in der Therapie des Prostatakarzinom"
9.00 bis 12.00 Uhr
Veranstalter: Regionalverband Neue Bundesländer
Veranstaltungsort: Seminaris SeeHotel Potsdam, An der Pirschheide 40, 14471 Potsdam

 

13. Oktober 2020
Vortrag von Prof. Dr. Cordula Jilg, Uni- Prostatazentrum Freiburg, Urologie, zum Thema „Radioguided Surgery (Aufspüren von radioaktiv markierten Läsionen mit einer Gammastrahlen-Sonde“
19.00 Uhr
Veranstalter: SHG Freiburg
Veranstaltungsort: Klinik für Tumorbiologie (EG), Breisacher Str. 117, 79106 Freiburg

 

3. November 2020
Vortrag von Dr. Th. Peiler, Facharzt für Urologie: „Prostatakrebs und Sexualität“
18.00 Uhr
Veranstalter: SHG Gelsenkirchen
Veranstaltungsort: Seminarraum der REHA-Klinik Bergmannsheil, Schernerweg 4, 45894 Gelsenkirchen-Buer (Haupteingang: Links durch die Lobby, dem langen Gang bis in den nächsten Gebäudetrakt folgen)

 

4. bis 5. November 2020
SHG Therapieseminar
Veranstalter: SHG Bottrop
Veranstaltungsort: „Die Wolfsburg“, Falkenweg 6, 45478 Mülheim a.d.Ruhr

 

1. Dezember 2020
Veranstaltung für angemeldete Gäste
18.00 Uhr
Veranstalter: SHG Gelsenkirchen
Veranstaltungsort: Seminarraum der REHA-Klinik Bergmannsheil, Schernerweg 4, 45894 Gelsenkirchen-Buer (Haupteingang: Links durch die Lobby, dem langen Gang bis in den nächsten Gebäudetrakt folgen)

 

 

 

 

 

 







Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.