Suche

Kooperationspartner

Progether

 

Soziale Medien

 

Twitterlogo     Facebooklogo

Zertifizierungen

 

Medisuch Siegel 2012

×

Warnung

JUser: :_load: Fehler beim Laden des Benutzers mit der ID: 398

Stern - Das heimliche Leiden

 

Aus: Stern Nr. 21 vom 17. Mai 2001
Mit freundlicher der Stern-Syndication
  bundesverband prostatakrebs selbsthilfe sternlogo

 

 

Die Angst davor ist groß, noch größer das Bedürfnis, sie zu verschweigen und zu verdrängen. Jedes Jahr erkranken in Deutschland 30.000 Männer an Prostata-Krebs.
Jetzt haben sich Betroffene zu Selbsthilfegruppen zusammengeschlossen. Sie wollen, dass ihr Schicksal nicht länger tabuisiert wird.
Ihre wichtigste Botschaft lautet:
ab vierzig unbedingt zur Früherkennung.
  bundesverband prostatakrebs selbsthilfe stern1
     

 

bundesverband prostatakrebs selbsthilfe stern3
"Wir Betroffenen dürfen 
uns nicht verstecken und alles hinnehmen.
Also: Männer, lasst die 
Hosen runter"
Wolfgang Petter, 57, aus Gehrden

 

bundesverband prostatakrebs selbsthilfe stern4
"Susanne unterstützt mich sehr. Sie ist mit meiner 
Krankenakte sogar zu 
Experten nach Los Angeles geflogen"
Karl-Heinz Rausche, 59, 
aus Garbsen 
mit Tochter Susanne.

Seine Frau bemerkte es als Erste. Als sie die Maschine stopfte und da einen Blick auf die Unterhosen ihres Mannes warf, fielen ihr bisher nie gesehene Verfärbungen auf. Sie schwieg und beobachtete das eine Weile. Wie sollte sie ihrem Wolfgang, der Angst vor jedem Arzt hatte, beibringen, doch mal zu einem Doktor zu gehen?
Sie fragte einen Freund ihres Mannes, der rief sofort einen Schulkameraden an, einen Urologen, und vereinbarte einen Termin für Wolfgang Petter. Als der 57-jährige Sonderschuldirektor aus Gehrden bei Hannover davon erfuhr, wurde er sauer. Er sei fit und ohne Beschwerden, das blühende Leben. Schließlich marschierte er doch, von Frau und Freund geleitet, ins Sprechzimmer.
Der Mediziner untersuchte den Unterbauch von Petter, tastete seine Prostata ab und entdeckte dabei eine Verhärtung. Dann nahm er dem Patienten Blut ab und ließ es im Labor analysieren. Ein für die Prostata spezifischer Wert war deutlich erhöht. Bei einem erneuten Termin holte der Urologe Gewebeproben aus dem Organ. Nun bestand kein Zweifel mehr: In Petters Unterleib wuchs ein Tumor – Krebs. 
"Es war fürchterlich", sagt der Lehrer, "zuerst war ich wie gelähmt, dann kam die Angst: Ich muss wohl sterben. Warum gerade ich?" Petter konnte es nicht fassen. "Oder gibt es vielleicht doch noch Rettung? Ich will das Teufelszeug loswerden! Es muss weg." Tag und Nacht kreisten solche Gedanken in seinem Kopf. Der Urologe riet ihm zur Operation, der totalen Entfernung seiner Prostata. 
"Für die Herbstferien hatten meine Frau und ich eine Neuenglandreise gebucht", sagt Petter. "Ich habe den Arzt gefragt, ob ich das überhaupt noch machen kann." Der meinte, die Ablenkung von dem bevorstehenden Eingriff täte sicher gut. Doch der Urlaub war alles andere als Erholung, jeder Spaziergang beherrscht von endlosen Diskussionen, eine einzige Seelenqual. 
Wieder zu Hause, bat der Schuldirektor zur Lehrerkonferenz und offenbarte den Kollegen: "Ich werde eine Weile fehlen und muss ins Krankenhaus, ich habe Krebs." Am 11.11.99 lag er auf dem OP-Tisch. 
Wolfgang Petter ist einer von 30.000 Männern, die es hierzulande jedes Jahr trifft, einer von 30.000, denen der Arzt sagen muss: Sie haben einen Tumor in der Prostata. Mehr als 200.000 Bundesbürger leben mit der Diagnose. Nach dem Lungenkrebs ist es das zweithäufigste tödliche Karzinom bei Männern, Tendenz steigend. Etwa die Hälfte aller 50- bis 60-Jährigen leidet heute daran, von den 80-Jährigen sogar 80 Prozent. Und viele haben den Krebs, aber wissen es gar nicht.

ES IST EIN TABU. 
Wer die Hiobsbotschaft bekommen hat, steht Höllenängste durch, redet aber nicht darüber. Schämt sich, fürchtet Mitleid und Diskriminierung. Geht es doch zutiefst ans männliche Selbstverständnis. Schließlich gehört die Prostata zu den Geschlechtsorganen des Mannes, und Potenz ist für die meisten alles. Das starke Geschlecht – ein Kartell des Schweigens. Lieber beißt man die Zähne zusammen oder ersäuft den Kummer im Alkohol. Da wird dem Squash-Partner an Tagen mit schlechter Kondition gerne mal beruflicher Ärger vorgegaukelt, dem Arbeitskollegen statt des Urologenbesuchs ein Zahnarzttermin vorgeflunkert. Und manchmal weiß nicht einmal die Ehefrau davon. 
Schon gar nicht denkt einer, der in Beruf und Bett seinen Mann steht, daran, regelmäßig nach der Zeitbombe im Leib suchen zu lassen. Nur 15 Prozent der Männer über 50 gehen zur Früherkennung. Anders die Frauen bei Brustkrebs – immerhin 30 Prozent der weiblichen Bevölkerung ab 40 nehmen die Vorsorgeuntersuchung in Anspruch. 
Seine Geschlechtsgenossen aus ihrer Misere holen will nun Wolfgang Petter. Kaum war der Rektor aus dem OP raus, schwor er sich: "Ich werde den Kerlen die Zunge lösen, sie müssen raus aus der Isolation." Dieser Gedanke ließ ihn nicht mehr los. Wir brauchen viel mehr Rat und Aufklärung, als wir in Arztpraxen und Kliniken bekommen", sagt der Lehrer, "nur wer Bescheid weiß, kann mit seiner Krankheit besser umgehen." 
Mit ein paar Schicksalsgefährten gründete er eine Selbsthilfegruppe. Inzwischen haben das auch andere Männer im Lande getan – über zwei Dutzend dieser Anlaufstellen gibt es derzeit. Diese Gruppen mit insgesamt 800 Mitgliedern organisierten sich nun zur "Bundesarbeitsgemeinschaft Prostatakrebs Selbsthilfe" (Anm.: seit 2002 Bundesverband Prostatkrebs Selbsthilfe e.V.). Studienräte, Kaufleute, Ingenieure, Professoren, Handwerker und Sozialhilfeempfänger sind dabei – eine selbstbewusste Truppe, die sich nicht länger wie eine Hammelherde in ihr Schicksal ergeben will. 
Ihr Chef: Wolfgang Petter.

DAS SENSIBLE ORGAN,
das für so viele Männer im Alter zum Schreckgespenst wird, ist eine Drüse. Kastaniengroß sitzt sie tief im Becken unter der Blase und umschließt die Harnröhre. Sie produziert eine milchige Flüssigkeit, die beim Samenerguss die Spermien aus den Hoden beweglich macht. Und beim Orgasmus wird sie zum Kompressor; ihre rhythmischen Kontraktionen kurz vor der Ejakulation verschaffen höchste Lustgefühle. Jahrzehntelang arbeitet die Vorsteherdrüse wie selbstverständlich. Warum und wie sich dann eines Tages im Gewebe der Prostata Tumoren bilden, ist noch immer ein biochemisches Rätsel. Offenbar spielen Erbanlagen und Ernährung eine Rolle. Dicke etwa leiden unter dem Krebs häufiger als Dünne. 
Wenn Vater oder Bruder ihn haben, besteht erhöhte Gefahr; das Risiko steigt mit der Zahl der betroffenen Verwandten. Hauptmotor für die Krebsentwicklung ist Testosteron. Das männliche Hormon heizt das Wuchern der Zellen an. Es ist ein heimtückisches Leiden. Denn anfangs verursacht das Karzinom so gut wie keine Beschwerden oder nur die einer gutartigen Altersprostata.
Meist merkt der Betroffene die Erkrankung erst sehr spät, wenn etwa unerträgliche Kreuzschmerzen oder Ischias ihn plagen – doch dann stecken schon Tochtergeschwülste in Wirbelsäule oder Becken. Ein Arzt kann die Bedrohung aber bereits im frühen Stadium aufspüren. Dazu tastet der Mediziner mit dem Finger die Drüse durch den Darm nach Verhärtungen ab. Außerdem verschafft ein Bluttest Aufschluss. Denn das Organ gibt ein Enzym in den Lebenssaft ab, das so genannte prostataspezifische Antigen (PSA). 
Wenn es den Wert von vier erreicht oder gar überschreitet, gilt das als Warnung, sagt Professor Herbert Rübben, Chef der Urologie am Klinikum der Uni Essen, eigentlich aber sollte schon ein PSA von über drei ein Hinweis sein, dass etwas mit der Drüse nicht in Ordnung ist. 
Dann muss der Arzt der Sache auf den Grund gehen. Ob wirklich ein Krebs wächst, kann er durch eine Biopsie klären. Was nun geschieht, hängt ganz vom Stadium der Erkrankung ab. Ist der Tumor auf seine Kapsel beschränkt und sind die Lymphknoten in der Nachbarschaft noch frei von bösen Zellen, heißt es in der Regel: Operation. Dann schneidet der Chirurg die ganze Drüse heraus und näht anschließend die Harnröhre direkt an die Blase – ein großer Eingriff. 
Inzwischen gibt es jedoch Alternativen. An der Berliner Charité etwa. Da wird sozusagen durchs Schlüsselloch operiert. Durch drei kleine Öffnungen in der Bauchdecke dirigiert der Arzt die Instrumente und beobachtet das Bauchinnere vergrößert auf dem Bildschirm. 
"Es schont den Patienten", sagt Serdar Deger, Oberarzt an der Urologischen Abteilung, "außerdem können wir mit dieser Technik in den sensiblen Bereichen genauer schneiden." Mehr als 150 Patienten haben er und seine Kollegen bereits mit dem Endoskop verarztet. 
Doch so behutsam die Operateure auch arbeiten - meist hinterlässt der Griff zur Drüse böse Folgen: Zerstörungen an Gefäßen und Nervenbündeln, die nahe der Prostatakapsel verlaufen und für die Erektion des Penis sorgen. 
Das ist auch bei Wolfgang Petter passiert. "Seit meiner Operation bin ich impotent", sagt der Lehrer, "ein riesiges Problem. Gott sei Dank sind Libido und Orgasmus bei mir noch da. Ich habe das volle sexuelle Empfinden." Er hat einen Ausweg aus dem Dilemma gefunden und zusammen mit seiner Frau viel Fantasie entwickelt. Doch nicht jede Beziehung hält das aus. 
So sehen manche Kranke lieber dem sicheren Krebstod ins Auge, als den Rest ihres Liebeslebens sexuell verkrüppelt zu sein. Es gibt zwar Hilfsmittel, den Penis wieder aufzurichten: Viagra oder eine Vakuumpumpe schaffen Blut in die Schwellkörper, eingebaute Penisprothesen stützen das Glied. Doch es sind alles nur Krücken. Sex und Lebensqualität verändern sich dramatisch. "Das wird dem Kranken vor der Operation selten deutlich gemacht", sagt Uwe Peters. 
Der 59-jährige Diplomingenieur aus dem südhessischen Heusenstamm, der seit zwei Jahren mit der Krebsdiagnose lebt und dem ebenfalls die Drüse herausgeschnitten wurde, klagt darüber, dass zwar viele Ärzte beteuern, nervenschonend zu operieren, doch die Realität ganz anders aussieht. 
"Ich habe noch keinen Patienten nach einer Prostata-Entfernung gesprochen, dem das Glied wieder verkehrsfähig steht", sagt Peters. "Mein Penis jedenfalls ist jetzt nicht nur schlaff, sondern auch nur noch halb so lang wie vorher." Denn es fehlt das Stück Harnröhre, das von der Drüse umschlossen wurde. 
Peters Selbstbewusstsein hat nicht darunter gelitten. "Ich gehe weiterhin in die Gemeinschaftssauna und schere mich einen Teufel darum, was andere über meinen Kleinen denken. Ich bin immer noch ein Mann und mache das Beste aus meinem Schicksal." 
Die Ehe mit seiner jungen Frau hat die Behinderung ausgehalten – heute ist Zärtlichkeit Trumpf. Peters: "Schließlich habe ich zwei gesunde Hände und einen Mund" 

Kastaniengroß sitzt die  Prostata {1) unterhalb der Blase (2) im Becken des Mannes. Sie umschließt die Harnröhre (3). In die Drüse münden die Samenleiter (4). Die Prostata produziert eine milchige Flüssigkeit, de beim Samenerguss die Spermien aus den Hoden (5) beweglich macht. Und beim Orgasmus drückt sie wie ein Kompressor das Gemisch durch die Harnröhre aus dem Penis (6)
Illustration: Andrew Timmins
  bundesverband prostatakrebs selbsthilfe stern10

 

bundesverband prostatakrebs selbsthilfe stern5
"Auch wenn wir dieses Krebsschicksal haben und keinen steifen Penis mehr bekommen,
bleiben wir doch Männer. Und Sex kann trotzdem sehr erfüllt sein"
Uwe Peters, 59, aus Heusenstamm

 

bundesverband prostatakrebs selbsthilfe stern6
"Trotz der Krankheit habe ich meinen Optimismus nicht verloren
und mein inneres Gleichgewicht behalten"
Gerhard Bendix, 67,
aus Neustadt am Rübenberge

ZUR IMPOTENZ
kommt oft ein weiteres Handicap: Inkontinenz, wenn das Skalpell des Chirurgen den Schließmuskel der Harnblase verletzt Die Folge: Es tröpfelt permanent. So müssen viele Männer wochen- und monatelang saugfähige Einlagen in der Unterhose tragen. Nur wenn der Kranke lang und intensiv die Muskeln seines Beckenbodens trainiert, funktioniert der Verschluss mitunter wieder. Manch einer aber wird die Blasenschwäche sein Leben lang nicht mehr los. 
Wird der Tumor des Mannes nicht im frühen Stadium entdeckt, sondern erst, wenn er bereits aus der Prostata-Kapsel herausgewuchert ist, lassen Urologen gewöhnlich die Finger vom Messer und die Drüse drin. Dann wird bestrahlt, über Wochen in Dutzenden von Sitzungen. Inzwischen gibt es auch dazu eine schonendere Alternative – die Behandlung mit so genannten Seeds. Das sind kleine tititanummantelte radioaktive Jodkapseln, die ein Radiologe ins Drüsengewebe setzt. Dort geben sie über mehrere Monate ihre Energie ab und sollen den Krebs vernichten. "Die Vorteile dieser Behandlung gegenüber der Operation sind geringere Inkontinenz- und Impotenzraten", sagt Professor Michael Sohn, Chefarzt der Urologie im Markus-Krankenhaus in Frankfurt am Main. Wie dauerhaft die Erfolge mit Seeds und anderen Strahlenquellen allerdings sind, weiß kein Mediziner. Denn nicht jede Krebszelle wird dabei mit letzter Sicherheit erwischt. 
Das radioaktive Bombardement reicht auf keinen Fall aus, wenn der Krebs bereits die Lymphknoten oder die Knochen befallen hat. Dann setzen die Mediziner auf Hormone als letzte Rettung. Die sollen die Testosteronproduktion im Körper stoppen, die das Geschwulstwachstum anheizt. Deshalb verabreicht der Arzt Antiandrogene und Östrogene. Die wirken – allerdings meist nur für beschränkte Zeit. Dann werden die Tumorzellen hormontaub und reagieren nicht mehr auf die Medikamente.
Und die Nebenwirkungen sind übel. "Ich habe Hitzewallungen und Schwindel wie eine Frau im Klimakterium", sagt Karlheinz Launus, 50, pensionierter Studienrat aus Norden in Ostfriesland. Seit acht Jahren schon lebt er mit dem Krebs. Einst war er aktiver Judokämpfer und Schwimmer, heute fehlt die Power. "Es ist eine chemische Kastration, ich fühle mich wie ein Transsexueller. Nur noch einmal pro Woche muss ich mich heute rasieren. Außerdem hat sich meine Figur vollkommen verändert; früher hatte ich ein athletisches Kreuz, heute habe ich nur noch einen breiten Hintern. Und mit meinen Brüsten mache ich langsam meinen Töchtern Konkurrenz."

bundesverband prostatakrebs selbsthilfe stern7
"Seit der OP bin ich immer noch inkontinent. Täglich messe ich aufgenommene
und abgegebene Flüssigkeit - um zu sehen, ob es besser wird"
Hans-Hermann Schmitz, 72,
aus Pattensen

 

bundesverband prostatakrebs selbsthilfe stern8
"Beim Spazieren am Wattenmeer finde ich Kraft für meine Krankheit.
Meeresrauschen und Möwenschreie beruhigen mich"

Karlheinz Launus, 51,
aus Norden

Operation, Bestrahlung, Hormone und dann noch Chemo- sowie Schmerztherapie im äußerst fortgeschrittenen Stadium – mehr hat die Medizin bei Prostatakrebs nicht zu bieten. Alles gestaffelt nach Schwere der Erkrankung, doch durchaus flexibel anwendbar. Und wenn der Patient älter ist oder ihn noch andere schwere Leiden plagen, rät ein vernünftiger Arzt, anstatt rigoros einzugreifen sogar zu "Watchful Waiting" – zum kontrollierten Abwarten. Schließlich könnte der Krebs langsamer wachsen, als das Leben zur Neige geht. Dann bringt der Eingriff dem Kranken nämlich nichts mehr, und viele Qualen bleiben ihm erspart. "Vor allem hat der Patient grundsätzlich bei der Wahl der Therapie ein Wörtchen mitzureden", so Selbsthilfe-Gründer Petter, "doch wie soll der entscheiden, wenn es für keine der Behandlungsmöglichkeiten zuverlässige Erfolgsstatistiken gibt?"
Gerade Männern in diesen Entscheidungs-Zwickmühlen wollen er und seine Truppe beistehen. "Wir laden Urologen ein und tauschen untereinander ständig unsere Erfahrungen aus", sagt der Lehrer. "Außerdem kann man bei uns erfahren, welche Ärzte sich wirklich um uns kümmern." 
Leider gibt es in Deutschland keinen einzigen Onkologen speziell für Prostatakrebs, der die Krankheit von der internistischen Seite angeht. Urologen nämlich sind von der Ausbildung her mehr Chirurgen.
Derzeit kommt in den Selbsthilfegruppen neue Hoffnung auf – aus den USA. Der amerikanische Prostata-Onkologe Robert Leibowitz aus Los Angeles plädiert dafür, möglichst schon im allerfrühesten Stadium den Krebs mit einer Hormonblockade zu traktieren, und zwar gleich dreifach. 
Das sei die wirksamste aller Waffen gegen den Tumor. Danach muss der Patient in der Regel 13 Monate lang Präparate schlucken. Ähnlich wie bei der konventionellen Hormontherapie, doch mit einer weiteren Komponente, die auch noch die allerletzten Testosteronspuren unschädlich machen soll. Nach dieser Zeit kann der Kranke alle Medikamente absetzen bis auf dieses eine, das er zeitlebens weiterschlucken muss. Riesenvorteil: Nach dem Zyklus verschwinden die schweren Nebenwirkungen, und die erlahmte Potenz kommt zurück. Im Übrigen macht die kurze Gabe der Mittel den Krebs nicht hormontaub, deshalb kann sie notfalls wiederholt werden. Leibowitz ist davon überzeugt, dass sein Verfahren Krebszellen dauerhaft unterdrücken und sogar abtöten kann. Er berichtet von über 100 Patienten, bei denen sich durch die Therapie der Tumor bis zu zehn Jahre lang nicht weiterentwickelt hat. Darüber hinausgehende Erfahrungen gibt es bisher nicht. 

bundesverband prostatakrebs selbsthilfe stern9
"Weil schon mein Vater den Krebs hatte, bin ich seit Jahren zur Früherkennung.
Doch der Arzt hat einen Knoten nicht ernst genommen - und nun ist schon eine Metastase da"

Jürgen Burmester, 65,
aus Hemmingen

 

bundesverband prostatakrebs selbsthilfe stern2
"Täglich Sport, 30 Minuten joggen und 20 Minuten Trampolinspringen,
das hilft mir, den Krebs zu überwinden"
Christian Ligensa, 64, aus Niederelbert

AUFGESTÖBERT IM INTERNET
hat die Leibowitz-Methode Christian Ligensa. Den 64-jährigen Diplomingenieur für Luft- und Raumfahrt aus Niederelbert, ein Energiebündel mit Segel- und Pilotenschein, traf 1998 die Diagnose. Trotz des Schocks geriet er nicht in Panik. "Als Privatpilot war ich schon in einigen lebensgefährlichen Situationen, die ich mit kühlem Kopf meistern musste, und genau so war das hier auch." Er setzte sich an den Computer, stieß auf Leibowitz und telefonierte mit ihm. Bald fand er einen deutschen Arzt, der ihm die Medikamente verschrieb. So testete er die Hormonblockade am eigenen Leib und beendete vor einem Jahr den Zyklus. Sein PSA-Wert ist nach unten gesackt. Und Ligensa hofft, dass das auf  Dauer so bleibt. 
Versprechen kann ihm das allerdings keiner. Denn die Methode aus Los Angeles kennen die wenigsten Mediziner hierzulande. "Es ist kein anerkanntes Verfahren", sagt Georg Schoeneich, Urologe von der Paracelsus-Klinik in Bad Ems, "aber ein interessanter Ansatz. Doch es gibt damit noch zu wenig Erfahrung." So werden noch Jahre vergehen, bis sie sich als Top oder Flop erweist. Solange also keine Behandlung die Heilung vom Männer-Krebs garantieren kann und alle Erforschung möglicher Gentherapien Zunkunftsmusik ist, bleibt jedem Einzelnen zur Abwehr der persönlichen Katastrophe allein die Früherkennung. Und das bedeutet: Einen guten Urologen suchen, ihn ab dem 45. Lebensjahr regelmäßig konsultieren, die Prostata abtasten und den PSA-Wert bestimmen lassen. "Bei familiärer Belastung sollte man damit sogar schon mit 40 anfangen", sagt der Essener Urologe Rübben, "je früher etwas festgestellt wird, umso größer sind die Heilungschancen." 
Doch die Sache hat einen Haken: Die gesetzlichen Kassen bezahlen ihren Mitgliedern den PSA-Test als Früherkennungsmaßnahme nicht. Ein Skandal. Urologen fordern seit langem die Kassenleistung für diesen wichtigen Krebs-Marker. Denn fest steht: Nur wenn jeder Mann wie die PS seines Autos auch den PSA seines Blutes kennt, lässt sich die Zahl der jährlich rund 12.000 Prostatakrebstoten hierzulande drastisch reduzieren. Doch schon naht neue Gefahr, ein Modetrend. Testosteron muss her, so heißt es auf Partys und in Medien. Das gebe dem alternder Mann wieder Power und bringe Figur und Fitness junger Jahre zurück So schlucken jetzt Oldies Präparate mit dem vermeintlichen Wunderstoff oder schmieren ihn sich als Balsam auf ihre Haut. Doch wehe, in der Prostata des Kerls schlummert ein Krebs! Der bekommt dann erst so richtig Stoff. 

Gutartige Prostatavergrösserung
Erst Medikamente, dann der sanfte Schnitt

Nach dem 50. Lebensjahr beginnt beim Mann das Gewebe der Vorsteherdrüse, das einen Teil der Harnröhre umschließt, langsam zu wachsen, ein ganz normaler, hormongesteuerter Alterungsprozess. 
Etwa elf Millionen Männer in Deutschland haben eine solche gutartige Vergrößerung der Prostata, meist aber kaum Probleme damit. Zwei Millionen von ihnen allerdings leiden darunter, haben Schwierigkeiten beim Wasserlassen. Der Strahl wird dünn, und es tröpfelt nach. Nachts raubt der dauernde Drang zur Toilette die Ruhe. Aus Angst, nicht rechtzeitig aufs Klo gehen zu können, trauen sich Betroffene kaum noch aus dem Haus. Viele Männer marschieren in ihrer Not zuerst zur Apotheke und hoffen auf Linderung etwa durch Pflanzliches. Extrakte aus Kürbiskernen, Brennnesselwurzeln, Roggenpollen und Sägepalmen können für eine Weile die Beschwerden lindern. Doch besser ist es, gleich den Urologen aufzusuchen. Durch Tasten, Ultraschall und Röntgenbilder kann der feststellen,  ob sich die Blase nicht mehr ganz entleert. "Dann muss etwas passieren", sagt  Fritz Reinecke, Urologe in Hamburg, "denn es besteht die Gefahr, dass sich im gestauten Urin Keime bilden, in die Nieren wandern und dort gefährliche Entzündungen verursachen." Das kann sich zu einer Sepsis ausweiten, die lebensgefährlich ist. Zur Vermeidung dieses Risikos kann der Arzt vorübergehend Medikamente mit Wirkstoffen wie Alfuzosin, Terazosin oder Finasterid verschreiben. Sie lassen das Gewebe abschwellen und öffnen den Wasserweg. Wenn es jedoch erneut zum gefährlichen Stau kommt, bleibt nur die Operation. Als wirkungsvollste Therapie gilt bei nicht zu sehr vergrößerter Drüse die "transurethrale Resektion". Dabei wird in Vollnarkose oder nach einer Anästhesie über das Rückenmark ein optisches Operationsinstrument durch die Harnröhre des Penis zur Prostata geführt. Mit einer elektrischen Schlinge an der Spitze trägt der Arzt dann scheibchenweise das gewucherte Gewebe ab, gleichzeitig werden Blutungen gestillt und die abgehobelten Teile mit einer Spülflüssigkeit, die durch das Instrument fließt, entfernt. Wie viel Drüsengewebe so beseitigt werden kann, hängt von der Kunst des Operateurs ab. Nach  dem Eingriff muss der Patient ein paar Tage einen Katheter tragen. Bei über zehn Prozent der Operierten kommt es zur Inkontinenz. Meist jedoch ist die nur vorübergehend. 50 bis 90 Prozent der Männer sind nach dem Eingriff zeugungsunfähig.
Als Alternative zur Operation werden heute Thermo- und Laserbehandlung angeboten. Dabei wird das gewucherte Prostatagewebe – ebenfalls durch die Harnröhre – entweder mit Hitze durch fokussierte Mikrowellen oder mit Laserstrahlen verkocht. Vorteil: Der Eingriff ist schonender. Doch muss der Katheter über längere Zeit getragen werden. Er soll die Harnröhre so lange offen halten, bis die Drüse abgeschwollen ist. Zudem macht diese Therapie nur Sinn bei gering bis mäßig vergrößerter Prostata. Und es gibt keine Garantie, dauerhaft beschwerdefrei zu sein. Das Verfahren ist nur empfehlenswert für ältere Patienten. Ein Mann namens Theodore Maiman, 73, reiste im vergangenen Jahr extra aus seiner Heimat Kanada nach München, um sich dort von den Experten des Klinikums Großhadern die Prostata Iasern zu lassen. Kein Wunder, dass er auf dieses Verfahren schwor – Maiman entwickelte vor 40 Jahren den Laser. 

 

Termine

25. Juli 2019
Vortrag von Dr. med. R. Abdunnur, Chefarzt Urologie, Helios-Klinik Schwelm zum Thema „Harninkontinenz/Therapieoptionen nach OP/Bestrahlung“
19.30 Uhr
Veranstalter: SHG Wuppertal
Veranstaltungsort: Helios Klinikum Wuppertal, Heusner Str. 40, 42283 Wuppertal-Barmen, Im Konferenzzentrum (Eingang Torbogen, direkt am Haupteingang) 

 

6. August 2019
Vortrag von Fr. Dr. S. Kaminiorz, Chefärztin Klinik Innere Medizin zum Thema "Was Sie über Darmkrebs wissen sollten"
18.00 Uhr
Veranstaltungsort: Seminarraum der REHA-Klinik Bergmannsheil, Schernerweg 4, 45894 Gelsenkirchen-Buer (Haupteingang: Links durch die Lobby, dem langen Gang bis in den nächsten Gebäudetrakt folgen)
Veranstalter: SHG Gelsenkirchen-Buer

 

12. August 2019
Vortrag von Dr. S. Hennigs, Chefärztin der Radiologie des KKH Bottrop zum Thema „Bildgebende Verfahren beim Prostatakarzinom“
18 Uhr
Veranstalter: SHG Bottrop
Veranstaltungsort: Verwaltungsgebäude des Knappschaftskrankenhauses Bottrop, Alten Personalkantine, Osterfelder Str. 157, 46242 Bottrop (Gebäude hinter dem Krankenhaus, neben dem Reha-Zentrum prosper)

 

21. bis 22. August 2019
Therapieseminar der SHG BOttrop
Veranstalter: SHG Bottrop
Veranstaltungsort: „Die Wolfsburg“, Falkenweg 6, 45478 Mülheim a.d.Ruhr

 

29. August 2019
Vortrag von Priv.-Doz. Dr. med. Jochen Heß, stellvertretender Klinikdirektor, Urologie, Universitätsmklinikum Essen zum Thema „Erektile Dysfunktion und Inkontinenz"
19.30 Uhr
Veranstalter: SHG Wuppertal
Veranstaltungsort: Helios Klinikum Wuppertal, Heusner Str. 40, 42283 Wuppertal-Barmen, Im Konferenzzentrum (Eingang Torbogen, direkt am Haupteingang)

 

3. September 2019
Vortrag von Frau Jutta Heidl, Dipl. Sozialarbeit. Bergmannsheil zum Thema "Schwerbehindertengesetz
Antragstellung, Merkzeichen etc."
18.00 Uhr
Veranstaltungsort: Seminarraum der REHA-Klinik Bergmannsheil, Schernerweg 4, 45894 Gelsenkirchen-Buer (Haupteingang: Links durch die Lobby, dem langen Gang bis in den nächsten Gebäudetrakt folgen)
Veranstalter: SHG Gelsenkirchen-Buer

 

7. September 2019
Sonnenblumenfest der Sächsischen Krebsgesellschaft
ab 13.00 Uhr
Ort: Schlobigpark Zwickau
Veranstalter: Sächsische Krebsgesellschaft e. V.
Weitere Informationen finden Sie hier
Die SHG Zwickau wird mit einem Infostand vertreten sein

 

8. September 2019
Tag der Selbsthilfe im Kreis Gütersloh
13.00 bis 18.00 Uhr
Ort: Rietberg
Veranstalter: BIGS Gütersloh
Die SHG Gütersloh wird mit einem Infostand vertreten sein

 

9. September 2019
Gruppengespräch mit Facharzt M. Lünzmann, Urologe in Bottrop
18 Uhr
Veranstalter: SHG Bottrop
Veranstaltungsort: Verwaltungsgebäude des Knappschaftskrankenhauses Bottrop, Alten Personalkantine, Osterfelder Str. 157, 46242 Bottrop (Gebäude hinter dem Krankenhaus, neben dem Reha-Zentrum prosper)

 

13. September 2019
Vortrag von Prof. Dr. Arnulf Stenzel, Klinik für Urologie Uni Tübingen zum Thema „Stand derTherapie des katastrionsresistenten Prostatakarzinom“
Veranstaltungsort: Gesundheitszentrum Federsee-Bad Buchau
Die SHG Bad Buchau-Federsee wird mit einem Infostand vertreten sein

 

14. September 2019
Selbsthilfetag aller Neustädter Selbsthilfegruppen
11.00 bis 15.00 Uhr
Veranstaltungsort: Gemeindehaus der ev. Kirche
Veranstalter: Zusammenschluss Neustädter Selbsthilfegruppen und Kibis

 

 

19. September 2019
18. BKK Selbsthilfe-Tag im Rahmen der REHACare International in Düsseldorf
Weitere Informationen und Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier

 

21. September 2019
Öffentliches Patientenforum im Rahmen der Herbsttagung des BPS-Regionalverbands Neue Bundesländer
Referenten und Themen: Dr. Hamza, Chefarzt der Klinik für Urologie und Andrologie am Klinikum St. Georg Leipzig: „Fortschritte bei der Behandlung urologischer Patienten am Klinikum St. Georg in Leipzig "; Dr. med. Töpfer, OA an der Klinik für Urologie und Andrologie: „Welche Anforderungen stellt der Antrag "Zertifiziertes Prostatakrebszentrum" an die Klinik für Urologie und Andrologie im Klinikum?; Dr. med. Schule, niedergelassener Urologe in Markleeberg/Leipzig: „Ambulanter Spezialärztlicher Verband (ASV ) in der Urologie-Fortschritt oder Stillstand?“
9.00 bis 12.00 Uhr
Veranstaltungsort: Klinikum St.Georg Leipzig, Delitzscher Str. 141, 04129 Leipzig
Veranstalter: BPS-Regionalverband Neue Bundesländer 

 

26. September 2019
„Allgemeine Sprechstunde“ von Johannes Wessel, Barmer
19.30 Uhr
Veranstalter: SHG Wuppertal
Veranstaltungsort: Helios Klinikum Wuppertal, Heusner Str. 40, 42283 Wuppertal-Barmen, Im Konferenzzentrum (Eingang Torbogen, direkt am Haupteingang) 

 

1. Oktober 2019
Vortrag von Dr. R. Haerting, Facharzt für Urologie zum Thema "Mein PSA-Wert steigt, (wieder)
was soll ich machen?"
18.00 Uhr
Veranstaltungsort: Seminarraum der REHA-Klinik Bergmannsheil, Schernerweg 4, 45894 Gelsenkirchen-Buer (Haupteingang: Links durch die Lobby, dem langen Gang bis in den nächsten Gebäudetrakt folgen)
Veranstalter: SHG Gelsenkirchen-Buer

 

26. Oktober 2019
Offene Krebskonferenz 2019 unter dem Motto „Miteinander reden – verstehen– gemeinsam handeln“
10.00 bis 16.00 Uhr
Veranstalter: Stiftung Deutsche Krebshilfe und Deutsche Krebsgesellschaft
Veranstaltungsort: Campus Westend, Frankfurt am Main
Weitere Informationen finden Sie hier

 

31. Oktober 2019
Vortrag von Bernd Troche, BPS-Landesverband NRW, zum Thema „Studien-Aussage über das Überleben bei Prostatakrebs“
19.30 Uhr
Veranstalter: SHG Wuppertal
Veranstaltungsort: Helios Klinikum Wuppertal, Heusner Str. 40, 42283 Wuppertal-Barmen, Im Konferenzzentrum (Eingang Torbogen, direkt am Haupteingang)

 

5. November 2019
Vortrag von Dr. T. Peiler, Facharzt für Urologie zum Thema "Personalisierte Therapie in der Urologie,
bezogen auf das Prostatakarzinom"
18.00 Uhr
Veranstaltungsort: Seminarraum der REHA-Klinik Bergmannsheil, Schernerweg 4, 45894 Gelsenkirchen-Buer (Haupteingang: Links durch die Lobby, dem langen Gang bis in den nächsten Gebäudetrakt folgen)
Veranstalter: SHG Gelsenkirchen-Buer

 

11. November 2019
Gruppengespräch mit Facharzt M. Lünzmann, Urologe in Bottrop
18 Uhr
Veranstalter: SHG Bottrop
Veranstaltungsort: Verwaltungsgebäude des Knappschaftskrankenhauses Bottrop, Alten Personalkantine, Osterfelder Str. 157, 46242 Bottrop (Gebäude hinter dem Krankenhaus, neben dem Reha-Zentrum prosper)

 

15. November 2019
Tanzen ist die beste Medizin mit Senioren – Tanzgruppe mit Claudia Bronner, Landesvorsitzende BW Seniorentanze.V.
Veranstaltungsort: Gesundheitszentrum Federsee-Bad Buchau
Die SHG Bad Buchau-Federsee wird mit einem Infostand vertreten sein

 

28. November 2019
Vortrag von Dr. med. J. Gleißner, MVZ/DGU Hofaue Wuppertal zum Thema „Bericht vom DGU-Kongress 2019“
19.30 Uhr
Veranstalter: SHG Wuppertal
Veranstaltungsort: Helios Klinikum Wuppertal, Heusner Str. 40, 42283 Wuppertal-Barmen, Im Konferenzzentrum (Eingang Torbogen, direkt am Haupteingang)

 

 

 

 







Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen