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Neu diagnostizierter Prostatakrebs - Das Abschätzen der Wahlmöglichkeiten (1/3)


Von Dr. Mark Scholz,
Prostate Oncology Specialists1

Mit freundlicher Genehmigung von Dr. Mark Scholz übersetzt von
Jürg van Wijnkoop und Ralf-Rainer Damm
Redaktion Ralf-Rainer Damm

Hinweis: Den gesamten Artikel können Sie als druckfreundliche PDF-Datei von KISP (www.prostatakrebse.de) herunterladen.


Teil Eins

Neu diagnostizierter Prostatakrebs ist eine Erkrankung im Wandel. In der Vergangenheit wurde Prostatakrebs erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt und endete, wie auch bei vielen anderen Krebsarten, mit dem frühen Tod der Betroffenen. Im Verlauf der letzten zehn Jahre hat sich das Wesen der Erkrankung allerdings durch den weitverbreiteten Einsatz des PSA-Tests und der ultraschallgeführten Biopsie in dramatischem Umfang verbessert. Diese Fortschritte haben gewissermaßen eine neue Situation geschaffen - ein Krebs, der nicht besonders lebensbedrohlich ist.

Das bedeutet nicht, dass das Risiko des Todes durch Prostatakrebs nicht mehr bestünde. Ein kleiner Prozentsatz von Patienten hat bei der Erstdiagnose hochgradige Varianten, die gefährlicher sind. Nach wie vor sehen wir auch immer noch Männer, die sich die Vorteile der frühen PSA-Messung nicht zunutze machen, Männer, die dann bei der Erstdiagnose einen Prostatakrebs im bereits fortgeschrittenen Stadium haben. Glücklicherweise wird die Anzahl dieser traurigen Fälle von Jahr zu Jahr geringer, weil bei immer mehr Männern das PSA bestimmt wird. Aber auch wenn einige Formen des Prostatakrebses tatsächlich gefährlich sind, ist es eine Tatsache, dass bei angemessener Behandlung für die meisten Männer die Wahrscheinlichkeit, an dieser Krankheit zu sterben, nicht sehr hoch ist.

Der Wandel des Prostatakrebses zu einer behandelbaren Erkrankung schafft eine ganze Manege neuer Herausforderungen. Nebenwirkungen der Behandlung werden wichtiger, und die Lebensqualität wird zu einer Priorität, wenn das Überleben nicht länger die zentrale Frage ist. Die Nebenwirkungen einer Therapie stellen sich eher sofort ein, wohingegen die langsam zunehmenden Auswirkungen eines unbehandelten Prostatakrebses 10 bis 15 Jahre lang nicht spürbar sein können. Potentielle Nebenwirkungen wie Impotenz oder Inkontinenz sind nicht trivial.

Die Anzahl an Behandlungsmöglichkeiten wächst mit den technologischen Fortschritten stetig weiter. Die bestehenden Wahlmöglichkeiten kann man sich in vier Kategorien vorstellen.

  • Lokale Therapien (radikale Prostatektomie, Brachytherapie, externe Bestrahlung, Kryotherapie) zielen darauf ab, die Prostata einschließlich des in ihr vorhandenen Krebses mit Stumpf und Stiel zu entfernen. Moderne Technologie in der Hand von Experten kann die Prostata mit hoher Zuverlässigkeit vom Krebs befreien. Lokaltherapien haben allerdings zwei potenzielle Nachteile. Der eine sind die potenziell irreversiblen Nebenwirkungen auf die

    benachbarten Strukturen (z. B. die Erektionsnerven, die Blase und den Enddarm). Der andere ist die entmutigende Möglichkeit, diese beschriebenen Risiken einer Lokaltherapie eingegangen zu sein, nur um später einen Krankheitsrückfall verzeichnen zu müssen, weil der Krebs sich bereits über die Prostata hinaus in andere Teile des Körpers ausgebreitet hatte.
  • Systemische Therapien (Überwachung mit Änderungen der Ernährungsgewohnheiten, antiandrogene Monotherapien oder zwölf- oder mehrmonatige kombinierte Hormonblockade) behandeln den gesamten Körper, wirken aber von Hause aus unterdrückend und nicht heilend. Die Wahl einer dieser Optionen beruht auf dem philosophischen Glauben, dass Prostatakrebs ein nicht schwerwiegender Prozess ist. Darum könne eine wirkungsvolle, unterdrückende Behandlung in der Lage sein, den Krebs in einen chronischen, nicht fortschreitenden Zustand zu verwandeln. Der Vorteil dieser Optionen ist, dass die Nebenwirkungen normalerweise reversibel sind. Der Nachteil ist das Fehlen der Chance, das Thema Prostatakrebs abschließen und zur Tagesordnung übergehen zu können. Eine systemische Behandlung erfordert, sich ständig bezüglich der Erkrankung fortzubilden und die Entwicklung der Situation genau zu beobachten.    

  • Kombinationen von systemischer und lokaler Behandlung bieten die besten Chancen für ein komplettes Ausmerzen der Erkrankung, aber durch das Anwenden zweier Behandlungen anstelle einer einzigen nimmt man ein höheres Risiko für Nebenwirkungen auf sich.

  • Vorbereitende Möglichkeiten bestehen in der Regel aus irgendeiner Art drei- bis sechsmonatiger Hormonblockade, die zur Vorbereitung auf eine lokale Therapie verabreicht wird. Von Hormonblockaden dieser Art konnte keine Verbesserung der Heilungsrate bei kunstgerecht durchgeführter lokaler Therapie nachgewiesen werden. Allerdings vermindert eine neoadjuvante Hormonblockade durch das Verkleinern der Prostata vor der eigentlichen Therapie die potenziellen Nebenwirkungen der lokalen Therapie [2].   

Das Spannungsfeld zwischen den Risiken der Krebserkrankung selbst und jenen der Krebstherapie verpflichtet zu einer soliden Aufklärung, die die Männer in die Lage versetzt, sich über die kurz- und langfristigen Folgen der verschiedenen Optionen vollkommen bewusst zu sein, bevor sie eine unwiderrufliche Entscheidung treffen. Glücklicherweise ist neu diagnostizierter Prostatakrebs im Frühstadium eine sich langsam entwickelnde Erkrankung, die ausreichend Zeit lässt, sich mit dem Problem auseinanderzusetzen.  

Der ständig fortschreitende Lernprozess, der hoffentlich zur Wahl der optimalen Behandlung führt, kann aus einer Vielzahl von Gründen zusammenbrechen. Diese Erkrankung ist insofern ungewöhnlich, als die Patienten selbst die Entscheidungen über die Behandlung treffen. Die Patienten sollten sich auch über die Fallstricke einer Situation im klaren sein, in der sie ihre eigene Krebsstrategie aussuchen müssen. Viele Patienten stehen nach der Diagnose einige Monate lang unter Schock und Schmerz. Wenn die Patienten über die dramatischen persönlichen Konsequenzen in einer Situation nachdenken, bei der es um hohe Einsätze geht, die die sexuellen Funktionen und die des Harnsystem dauerhaft beeinträchtigen können, werden starke Emotionen aufgerührt. Es kann schwierig sein, unter diesen Umständen einen klaren Verstand zu bewahren, aber die Patienten sollten dazu ermutigt werden, durchzuhalten und alle relevanten Faktoren abzuwägen. Dieser Wechsel der Verantwortlichkeit vom Arzt zum Patienten ergibt sich aus der Existenz mehrerer Behandlungsmöglichkeiten, deren Überlebensraten nicht deutlich unterscheidbar sind.  

Deshalb ist das Überprüfen der potentiellen Nebenwirkungen jeder dieser Therapien und ihr Vergleich miteinander der einzige logische Weg, um Unterscheidungen zu treffen. Die Nebenwirkungen machen den Unterschied, und deshalb ist es der Betroffene, der entscheiden muss, welche Art von möglicher Beeinträchtigung er gewillt ist in Kauf zu nehmen.  

Die angemessene Intensität der Behandlung bestimmen
Das Bestimmen der Behandlungsintensität und der Vergleich der Möglichkeiten vor der Entscheidung sind sicher wichtig. Aber noch wichtiger ist als erster Schritt das Bestimmen der Intensität des Behandlungsplanes. Mit anderen Worten, wie entscheiden wir, ob, die Erkrankung ernsthaft genug ist für eine Kombinationstherapie? Wann ist die Erkrankung so wenig gefährlich, dass sie mit einer Monotherapie behandelt werden kann? Es liegt auf der Hand, dass ein einfacher Therapieansatz, wenn er die erforderliche Sicherheit bietet, immer vorzuziehen ist, weil er weniger Nebenwirkungen verursacht. So muss der Patient vor der Entscheidung zwischen einer lokalen oder einer systemischen Therapie zuerst sein Risiko ermitteln, dass sein Krebs über die Kapsel hinaus gestreut hat, das heißt das Risiko einer Erkrankung, bei der sich schon Mikrometastasen gebildet haben. Wenn das Risiko von Mikrometastasen niedrig ist, ist eine Monotherapie am besten. Wenn das Risiko von Mikrometastasen hoch ist, ist eine Kombinationstherapie am besten.  

Das Verstehen der Metastasierung ist für eine korrekte Therapieentscheidung unerlässlich. Der Krebs kann größer werden und durch die Kapsel der Prostata hindurch wachsen (was das Risiko positiver Schnittränder bei der Operation erhöht), aber das meinen wir nicht, wenn wir den Ausdruck Mikrometastasen verwenden. Prostatakrebszellen haben auch das Potential, sich vom Haupttumor loszulösen, in den Blutkreislauf einzutreten und sich in anderen Körperbereichen festzusetzen - gewöhnlich in den Knochen oder den Lymphknoten. Das Konzept der Metastasierung ist ein bisschen schwierig, weil es nicht möglich ist, bei einem bestimmten Patienten mit absoluter Sicherheit das Vorhandensein mikroskopisch kleiner Nester von metastasierten Zellen nachzuweisen. Gegenwärtig verfügen wir über keine Technologie, die den gesamten Körper absuchen und unfehlbar das Vorhandensein von wenigen Zellen außerhalb der Drüse nachweisen könnte. Knochenszintigramme sind nur positiv, wenn die Metastasen groß genug sind, um eine osteoblastische Reaktion hervorzurufen, die zu neuer Knochenbildung führt.  

Unsere mangelnde Fähigkeit, eine definitive Aussage über das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von Metastasen zu treffen, ist eine ernsthafte Behinderung, wenn es darum geht, eine Empfehlung für eine Behandlung abzugeben. Eine verlässliche Information wäre natürlich nützlich, denn wir könnten dann die Personen heraussuchen, die keine metastasierte Erkrankung haben; diese Patienten wären sicher die besten Kandidaten für eine ausschließlich lokale Therapie.  

Da wir jedoch Mikrometastasen nicht direkt messen können, ist unsere zweitbeste Alternative, die Wahrscheinlichkeit dafür abzuschätzen, dass sie vorhanden sind. Wenn eine derartige Abschätzung verfügbar ist, können die Patienten wenigstens diese Information nutzen um zu entscheiden, ob nach ihrem persönlichen Gefühl eine kombinierte Vorgehensweise gerechtfertigt ist. Ein Verfahren zur Bestimmung des Risikos von Mikrometastasen ist der Weg über die Kattan-Nomogramme.  

Die Kattan-Nomogramme wurde von Dr. Michael Kattan entwickelt, einem Biostatistiker am Memorial Sloan Kettering in New York. Sie verwenden ganz allgemein eine Kombination dreier Faktoren, um die Wahrscheinlichkeit eines PSA-Rückfalls nach lokaler Therapie zu bestimmen. Diese Faktoren sind PSA, Gleason Wert und klinisches Stadium. Es gibt Nomogramme für Operation, konformale Bestrahlung und für Brachytherapie. Im Allgemeinen stimmen die vor-  hergesagten Rückfallquoten (das Risiko von Mikrometastasen) ziemlich überein, wenn man die Nomogramme miteinander vergleicht. Die Nomogramme wurden anhand von Behandlungsergebnissen an tausenden Patienten gewonnen, die in namhaften Universitätszentren behandelt worden waren. Folglich spiegeln die Rückfallquoten nicht die Folge schlecht ausgeführter lokaler Therapien wider. Vielmehr hängt die statistische Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall vom Vorliegen einer metastatischen Erkrankung zum Zeitpunkt der lokalen Therapie ab. Deshalb können die durch die Kattan-Nomogramme bestimmten Rückfallquoten als Indiz für das wahrscheinliche Vorhandensein von Mikrometastasen zum Zeitpunkt der lokalen Therapie herangezogen werden. Natürlich liegt die Gefahr von Mikrometastasen darin, dass sie schließlich zu einer anderen Größenordnung anwachsen und, wenn sie voll entwickelt sind, Körperfunktionen beeinträchtigen und letztlich zum Tode führen. Patienten wissen im Allgemeinen, dass bei den am häufigsten vorkommenden Krebsarten (wie Darm, Lunge, Magen, etc.) Mikrometastasen ein Hinweis auf einen nahezu sicheren Tod innerhalb weniger Jahre sind. Dies ist jedoch bei Prostatakrebs sicher nicht der Fall. Ein frühes Rezidiv nach lokaler Therapie (wie es durch einen PSA-Anstieg erkannt wird) kann durch das frühzeitige Verabreichen einer Hormonblockade im Durchschnitt bis zu elf Jahre lang unter Kontrolle gehalten werden! Und selbst wenn eine Hormonblockade ihre Wirkung verliert, steht eine Anzahl weiterer therapeutischer Alternativen zur Verfügung.  

Männer müssen beim Abwägen der Vor- und Nachteile beim Anwenden einer Kombinationstherapie zum Verringern des Rezidivrisikos das relativ moderate Wesen von Prostatakrebsrezidiven bedenken. Eindeutig brauchen ältere Patienten (wegen der Wirksamkeit einer Hormonblockade beim Beherrschen von Rezidiven) nicht übermäßig besorgt zu sein, während bei jüngeren Männern das Risiko recht ernst genommen werden sollte, dass ein Rezidiv zum Tod durch Prostatakrebs (statt durch das Alter) führen kann.  

Für Zwecke der Entscheidungsfindung und der Beratung hat es sich als nützlich erwiesen, die Patienten anhand der statistischen Informationen der Kattan- Nomogramme zunächst in vier Risikokategorien einzuteilen (siehe Tabelle 1-1). Wie dargestellt, ordnen wir Patienten, bei denen eine mikrometastische Erkrankung weniger wahrscheinlich ist (Wahrscheinlichkeit kleiner als 50 %) der Risikogruppe I zu. Patienten, bei denen eine mikrometastatische Erkrankung wahrscheinlicher ist (Wahrscheinlichkeit über 50 %) ordnen wir der Risikogruppe II zu. In Kategorie III befinden sich Patienten mit dokumentierter Ausbreitung in die Lymphknoten. Risikokategorie IV steht für Patienten mit dokumentierter Ausbreitung in die Knochen. Patienten der Risikokategorie I werden weiter unterteilt in IA (Risiko von Mikrometastasen kleiner als 10 %), IB (Risiko 10-25 %) und IC (Risiko für Mikrometastasen 25-50 %).  

Die prognostischen Faktoren modifizieren
Neben PSA, Gleason-Summe und klinischem Stadium liefern andere Faktoren, die in den Kattan-Nomogrammen nicht enthalten sind, weitere prognostische Informationen zum Risiko eines Rezidivs. Dies sind:  

  • Ein über der Norm liegender Spiegel der sauren Prostataphosphatase (PAP) im Serum, durch eine Zweitmessung bestätigt,  

  • mehr als 50 % der Biopsiestanzen krebspositiv,

  • durch endorektale Magnetresonanztomographie (MRT-S) belegter Befall der Samenblasen,

  • ein PSA von >0,5 ng/ml nach drei Monaten vorbereitender Hormonblockade

risikokategorien.jpg


Um bei der Information unserer Patienten systematisch und konsequent unsere beste Schätzung hinsichtlich der Wahrscheinlichkeit von Mikrometastasen abgeben zu können, modifizieren wir das ursprünglich bestimmte Kattan-Stadium entsprechend.  

Patienten mit mehr als 50 % krebspositiver Biopsate stuften wir automatisch eine Unterstufe höher als die ursprünglich nach dem Kattan-Nomogramm ermittelte ein. Wenn zum Beispiel das Nomogramm den Wert 1B ergibt, würden wir die Risikokategorie auf IC anheben. Patienten der Risikokategorie IC würden in die Risikokategorie II kommen.  

Wir wiesen, unabhängig von der Kattan-Vorhersage, automatisch Risikokategorie II zu (wenn nicht Kategorie III oder IV dokumentiert ist), wenn einer der folgenden Faktoren vorliegt:  

  • Eine ständig erhöhte saure Prostataphosphatase (PAP),

  • dokumentierter Samenblasenbefall,

  • PSA nach drei Monaten Hormonblockade höher als 0,5 ng/ml.

5jahreprogression1.jpg

5jahreprogression2.jpg

Diese Analyse, die eine Abschätzung des Risikos für ein Rezidiv (und eine Risikoabschätzung für das Vorliegen von Metastasen) bietet, ist ein Werkzeug, das im Hinblick darauf entwickelt wurde, den möglichen Nutzen einer Kombination von systemischer Hormonblockade und lokaler Therapie zu bestimmen. Mehrere randomisierte prospektive Versuchsreihen, bei denen zu einer lokalen Therapie eine Hormonblockade hinzugenommen wurde [2, 3, 4, 5, 6], deuten zurückhaltend an, dass bei Patienten, die über einen angemessenen Zeitraum mit einer Hormonblockade behandelt wurden, die Rückfallraten um etwa 50 % verringert werden können (der optimale Zeitraum ist nicht bekannt, scheint aber zwischen 12 und 24 Monaten zu liegen).  

Daher versetzt diese Analyse unter Verwendung der modifizierten Kattan-Nomogramme die Patienten in die Lage, den durch das Hinzufügen einer Hormonblockade zu einer lokalen Therapie erzielbaren potentiellen Nutzen zu messen und diesen Nutzen gegen die potenzielle Toxizität der Therapie abzuwägen. Dies kann anhand zweier Beispiele gezeigt werden. Wie in Abb. 1-1 gezeigt wird, hat ein Patient mit einem PSA von 4, einem Stadium T1c und einem Gleason 7 eine Summe von 67 Punkten im Kattan-Nomogramm (bei konformaler Bestrahlung). Für das Weglassen der Wirkungen einer einleitenden Hormonblockade werden fünf Punkte hinzugefügt. Weitere fünf Punkte gibt es für die Wahl einer typischen Standard-Bestrahlungsdosis, z. B. 7800 rad. 67 plus zehn gibt 77 Punkte. Im Kattan- Nomogramm zeigen 77 Punkte eine 94-prozentige Wahrscheinlichkeit dafür an, dass die Erkrankung in den nächsten fünf Jahren nicht fortschreiten wird. Anders ausgedrückt ist das Risiko für ein Rezidiv 6 % (100 % minus 94 %).  

Dieser Patient fällt in die Risikogruppe IA, wenn weniger als 50 % der Biopsiestanzen positiv sind, die PAP nicht erhöht ist, es keinen Hinweis auf Samenblasenbefall gibt und das PSA nach drei Monaten vorbereitender Hormonblockade (wenn angewendet) nicht höher als 0,5 ng/ml ist. Da eine über 12 bis 24 Monate verabreichte Hormonblockade das Risiko für ein Krebsrezidiv um 50 % reduziert, ist das Rezidivrisiko von 6 % auf 3 % verringert. Mit anderen Worten, eine Hormonblockade verbessert die Heilungsrate bei einem Patienten mit diesem Profil nur um 3 %! Nach meiner Erfahrung verzichten die meisten Männer gern auf die potenziellen Nebenwirkungen einer Hormonblockade, wenn die Chance einer vorteilhaften Auswirkung so winzig ist.  

Ein anderes Beispiel soll diese Verfahren weiter erläutern. In diesem Beispiel hat ein Patient eine Gleason- Summe 8, ein PSA von 15 ng/ml und ein klinisches Stadium T2b (ein mäßig großer Knoten, der auf eine Seite der Prostata beschränkt ist). Dieser Patient würde im Nomogramm 115 Punkte bekommen. Wieder werden 10 Punkten für eine Dosis von 7800 rad hinzugefügt, eine vorbereitende Hormonblockade gab es nicht, und das Ergebnis sind 125 Punkte. Das bedeutet eine Rückfallquote von 60 %! Bei einem solchen Patienten ist eine angemessen  lange Hormonblockade eindeutig indiziert und reduziert das Risiko eines Rezidivs um etwa die Hälfte von 60 %, d. h. 30 %.  

Die Website des Sloan Kettering Krebszentrums www.mskcc.org/nomograms/prostate bietet einen Nomogrammkalkulator, der auf der Basis der Einstufungsparameter eines Patienten eine ähnliche Analyse für Operation, konformale Bestrahlung und Brachytherapie gestattet.  

Sollte eine Hormonblockade mit einer lokalen Therapie kombiniert werden?
Diese beiden Beispiele führen durch ihre Ansiedlung an den äußeren Enden des Spektrums zu ziemlich klaren Folgerungen darüber, ob eine einleitende Hormonblockade in Verbindung mit einer lokalen Therapie ratsam ist. Patienten mit weniger deutlich erkennbaren Rezidivraten, sagen wir im Bereich 15-30 %, ist nicht so leicht zu raten. Letztendlich müssen diese Männer selbst eine Entscheidung darüber treffen, von der sie meinen, dass sie in ihrem besten Interesse ist. Um diese Entscheidung zu treffen, muss ein Patient in dieser Situation sorgfältig die Folgen und das relative Rezidivrisiko im Zusammenhang mit seinem Alter, der bis dahin bestehenden Sexualfunktion und Prioritäten bezüglich der Gesundheit insgesamt abwägen, zusammen mit den bekannten potenziellen Nebenwirkungen einer Hormonblockade.  

Patienten, die bezüglich der Optionen, denen sie sich gegenüber sehen, unschlüssig sind, entscheiden sich gelegentlich dafür, eine Hormonblockade einzuleiten, um zu sehen, wie gut sie selbst die Behandlung vertragen. Wenn sich übermäßige Nebenwirkungen einstellen, können sie die Behandlung mit der Erwartung beenden, dass die Nebenwirkungen wieder verschwinden. Die einzige Ausnahme von dieser Regel betrifft Patienten, die eine nervenschonenende Operation in Betracht ziehen. Etwa ein Drittel der mit Hormonblockade behandelten Patienten entwickelt eine kapsuläre Verdickung; diese Verdickung kann die nervenschonende Operation etwas schwieriger machen und damit das Risiko einer Impotenz erhöhen.  

Durch die Umstände gezwungen, als "Amateurarzt" zu handeln, legen sich die Patienten vielleicht auf einen Behandlungsplan fest, bevor sie sich über alle Behandlungsoptionen im klaren sind. Dieser Fehler kann nicht nur infolge mangelnder Information über irgendeinen Aspekt zu einer aus einer langen Liste von Alternativen eintreten, sondern auch aus der menschlichen Neigung heraus, für eine verwirrende Situation eine schnelle Lösung zu suchen. Auch wenn man sie beruhigt, fällt es den Patienten schwer, die bleibende Furcht abzustreifen, dass "die Zeit davonläuft", während der Krebs wächst und sich ausbreitet.  

Probleme bei der Wahl der Therapie rühren nicht bloß von der Naivität der Patienten und dem Erfahrungsmangel oder einem Schockzustand her. Selbst Ärzte, die sich diese Krankheit zuziehen, beklagen das frustrierende Fehlen klarer Daten und eines Konsenses unter den Prostatakrebsexperten. Sie, wie alle Patienten, kämpfen mit den deutlichen Unterschieden im Fachkönnen unter den Chirurgen und Radiologen und dem Fehlen irgendeines objektiven Verfahrens, dieses Können zu messen.

Dieser erste Teil eines dreiteiligen Artikels stellte den Prozess in den Vordergrund, der für die Entscheidung angewendet wird, ob im Hinblick auf das restlose Entfernen von Mikrometastasen eine adjuvante systemische Hormonblockade eingeleitet werden sollte oder nicht. Diese Entscheidung basiert logischerweise auf dem im Raum stehenden Risiko, dass eine mikrometastatische Erkrankung vorliegt. Daher habe ich eine Vorgehensweise geschildert, die einen frisch diagnostizierten Patienten in die Lage versetzt, seine Risikobestimmung selbst zu machen. Das Risiko allein ist jedoch nicht der einzige entscheidende Faktor. Das Alter des jeweiligen Patienten und seine spezifischen Präferenzen sind auch wichtig. Im zweiten Teil dieses Artikels will ich versuchen, einige Richtlinien zu liefern, die diese zusätzlichen Faktoren mit einschließen und den Patienten in die Lage versetzen, für seine spezielle Situation die beste Entscheidung zu treffen.  

Literaturverweise zu Teil 1:

1. Moul, J.W. Assessment of biochemical disease free survival in patients with hormonal therapy started for PSA-only recurrence following radical prostatectomy. AUA Abstract #699 2002 .

2. Chodak GW, Keane T, Klotz L: Clinical evaluation of hormonal therapy for carcinoma of the prostate. Urology Vol 60 201-208, 2002.

3. Bolla, M., Long-term results with immediate androgen suppression and external irradiation in patients with locally advanced prostate cancer: a phase III randomized trial. Lancet vol 360 July 2002 p. 103.

4. Messing, E.M. Immediate hormonal therapy compared with observation after radical prostatectomy and pelvic lymphadenectomy in men with nodepositive prostate cancer. NEJM vol 341 Dec. 1999 p. 1781.

5. Pilepich, M.V., Phase III radiation therapy oncology group trial 86-10 of androgen deprivation adjuvant to definitive radiotherapy in locally advance carcinoma of the prostate. IJROB vol 50 Aug 2001 p.1243.

6. Hanks, G.E., RTOG protocol 92-02: A phase III trial of the use of long term total androgen
suppression following Neoadjuvant hormonal cytoreduction and radiotherapy in locally advance carcinoma of the prostate. IJROB vol 48 Supp 2000.

7. Gomez, J.L., Effect of Neoadjuvant and adjuvant combine androgen blockade associated with radiaton therap on PSA failure in T2-T3 prostate cancer. AUA abstract #1387 1999.

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1  4676 Admiralty Way, Suite 101, Marina del Rey, California 90292, USA, http://www.prostateoncology.com

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Lesen Sie bitte auch folgenden Teile deses Artikels ...

Termine

25. Juli 2019
Vortrag von Dr. med. R. Abdunnur, Chefarzt Urologie, Helios-Klinik Schwelm zum Thema „Harninkontinenz/Therapieoptionen nach OP/Bestrahlung“
19.30 Uhr
Veranstalter: SHG Wuppertal
Veranstaltungsort: Helios Klinikum Wuppertal, Heusner Str. 40, 42283 Wuppertal-Barmen, Im Konferenzzentrum (Eingang Torbogen, direkt am Haupteingang) 

 

6. August 2019
Vortrag von Fr. Dr. S. Kaminiorz, Chefärztin Klinik Innere Medizin zum Thema "Was Sie über Darmkrebs wissen sollten"
18.00 Uhr
Veranstaltungsort: Seminarraum der REHA-Klinik Bergmannsheil, Schernerweg 4, 45894 Gelsenkirchen-Buer (Haupteingang: Links durch die Lobby, dem langen Gang bis in den nächsten Gebäudetrakt folgen)
Veranstalter: SHG Gelsenkirchen-Buer

 

12. August 2019
Vortrag von Dr. S. Hennigs, Chefärztin der Radiologie des KKH Bottrop zum Thema „Bildgebende Verfahren beim Prostatakarzinom“
18 Uhr
Veranstalter: SHG Bottrop
Veranstaltungsort: Verwaltungsgebäude des Knappschaftskrankenhauses Bottrop, Alten Personalkantine, Osterfelder Str. 157, 46242 Bottrop (Gebäude hinter dem Krankenhaus, neben dem Reha-Zentrum prosper)

 

21. bis 22. August 2019
Therapieseminar der SHG BOttrop
Veranstalter: SHG Bottrop
Veranstaltungsort: „Die Wolfsburg“, Falkenweg 6, 45478 Mülheim a.d.Ruhr

 

29. August 2019
Vortrag von Priv.-Doz. Dr. med. Jochen Heß, stellvertretender Klinikdirektor, Urologie, Universitätsmklinikum Essen zum Thema „Erektile Dysfunktion und Inkontinenz"
19.30 Uhr
Veranstalter: SHG Wuppertal
Veranstaltungsort: Helios Klinikum Wuppertal, Heusner Str. 40, 42283 Wuppertal-Barmen, Im Konferenzzentrum (Eingang Torbogen, direkt am Haupteingang)

 

3. September 2019
Vortrag von Frau Jutta Heidl, Dipl. Sozialarbeit. Bergmannsheil zum Thema "Schwerbehindertengesetz
Antragstellung, Merkzeichen etc."
18.00 Uhr
Veranstaltungsort: Seminarraum der REHA-Klinik Bergmannsheil, Schernerweg 4, 45894 Gelsenkirchen-Buer (Haupteingang: Links durch die Lobby, dem langen Gang bis in den nächsten Gebäudetrakt folgen)
Veranstalter: SHG Gelsenkirchen-Buer

 

8. September 2019
Tag der Selbsthilfe im Kreis Gütersloh
13.00 bis 18.00 Uhr
Ort: Rietberg
Veranstalter: BIGS Gütersloh
Die SHG Gütersloh wird mit einem Infostand vertreten sein

 

9. September 2019
Gruppengespräch mit Facharzt M. Lünzmann, Urologe in Bottrop
18 Uhr
Veranstalter: SHG Bottrop
Veranstaltungsort: Verwaltungsgebäude des Knappschaftskrankenhauses Bottrop, Alten Personalkantine, Osterfelder Str. 157, 46242 Bottrop (Gebäude hinter dem Krankenhaus, neben dem Reha-Zentrum prosper)

 

13. September 2019
Vortrag von Prof. Dr. Arnulf Stenzel, Klinik für Urologie Uni Tübingen zum Thema „Stand derTherapie des katastrionsresistenten Prostatakarzinom“
Veranstaltungsort: Gesundheitszentrum Federsee-Bad Buchau
Die SHG Bad Buchau-Federsee wird mit einem Infostand vertreten sein

 

14. September 2019
Selbsthilfetag aller Neustädter Selbsthilfegruppen
11.00 bis 15.00 Uhr
Veranstaltungsort: Gemeindehaus der ev. Kirche
Veranstalter: Zusammenschluss Neustädter Selbsthilfegruppen und Kibis

 

 

19. September 2019
18. BKK Selbsthilfe-Tag im Rahmen der REHACare International in Düsseldorf
Weitere Informationen und Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier

 

21. September 2019
Öffentliches Patientenforum im Rahmen der Herbsttagung des BPS-Regionalverbands Neue Bundesländer
Referenten und Themen: Dr. Hamza, Chefarzt der Klinik für Urologie und Andrologie am Klinikum St. Georg Leipzig: „Fortschritte bei der Behandlung urologischer Patienten am Klinikum St. Georg in Leipzig "; Dr. med. Töpfer, OA an der Klinik für Urologie und Andrologie: „Welche Anforderungen stellt der Antrag "Zertifiziertes Prostatakrebszentrum" an die Klinik für Urologie und Andrologie im Klinikum?; Dr. med. Schule, niedergelassener Urologe in Markleeberg/Leipzig: „Ambulanter Spezialärztlicher Verband (ASV ) in der Urologie-Fortschritt oder Stillstand?“
9.00 bis 12.00 Uhr
Veranstaltungsort: Klinikum St.Georg Leipzig, Delitzscher Str. 141, 04129 Leipzig
Veranstalter: BPS-Regionalverband Neue Bundesländer 

 

26. September 2019
„Allgemeine Sprechstunde“ von Johannes Wessel, Barmer
19.30 Uhr
Veranstalter: SHG Wuppertal
Veranstaltungsort: Helios Klinikum Wuppertal, Heusner Str. 40, 42283 Wuppertal-Barmen, Im Konferenzzentrum (Eingang Torbogen, direkt am Haupteingang) 

 

1. Oktober 2019
Vortrag von Dr. R. Haerting, Facharzt für Urologie zum Thema "Mein PSA-Wert steigt, (wieder)
was soll ich machen?"
18.00 Uhr
Veranstaltungsort: Seminarraum der REHA-Klinik Bergmannsheil, Schernerweg 4, 45894 Gelsenkirchen-Buer (Haupteingang: Links durch die Lobby, dem langen Gang bis in den nächsten Gebäudetrakt folgen)
Veranstalter: SHG Gelsenkirchen-Buer

 

26. Oktober 2019
Offene Krebskonferenz 2019 unter dem Motto „Miteinander reden – verstehen– gemeinsam handeln“
10.00 bis 16.00 Uhr
Veranstalter: Stiftung Deutsche Krebshilfe und Deutsche Krebsgesellschaft
Veranstaltungsort: Campus Westend, Frankfurt am Main
Weitere Informationen finden Sie hier

 

31. Oktober 2019
Vortrag von Bernd Troche, BPS-Landesverband NRW, zum Thema „Studien-Aussage über das Überleben bei Prostatakrebs“
19.30 Uhr
Veranstalter: SHG Wuppertal
Veranstaltungsort: Helios Klinikum Wuppertal, Heusner Str. 40, 42283 Wuppertal-Barmen, Im Konferenzzentrum (Eingang Torbogen, direkt am Haupteingang)

 

5. November 2019
Vortrag von Dr. T. Peiler, Facharzt für Urologie zum Thema "Personalisierte Therapie in der Urologie,
bezogen auf das Prostatakarzinom"
18.00 Uhr
Veranstaltungsort: Seminarraum der REHA-Klinik Bergmannsheil, Schernerweg 4, 45894 Gelsenkirchen-Buer (Haupteingang: Links durch die Lobby, dem langen Gang bis in den nächsten Gebäudetrakt folgen)
Veranstalter: SHG Gelsenkirchen-Buer

 

11. November 2019
Gruppengespräch mit Facharzt M. Lünzmann, Urologe in Bottrop
18 Uhr
Veranstalter: SHG Bottrop
Veranstaltungsort: Verwaltungsgebäude des Knappschaftskrankenhauses Bottrop, Alten Personalkantine, Osterfelder Str. 157, 46242 Bottrop (Gebäude hinter dem Krankenhaus, neben dem Reha-Zentrum prosper)

 

15. November 2019
Tanzen ist die beste Medizin mit Senioren – Tanzgruppe mit Claudia Bronner, Landesvorsitzende BW Seniorentanze.V.
Veranstaltungsort: Gesundheitszentrum Federsee-Bad Buchau
Die SHG Bad Buchau-Federsee wird mit einem Infostand vertreten sein

 

28. November 2019
Vortrag von Dr. med. J. Gleißner, MVZ/DGU Hofaue Wuppertal zum Thema „Bericht vom DGU-Kongress 2019“
19.30 Uhr
Veranstalter: SHG Wuppertal
Veranstaltungsort: Helios Klinikum Wuppertal, Heusner Str. 40, 42283 Wuppertal-Barmen, Im Konferenzzentrum (Eingang Torbogen, direkt am Haupteingang)

 

 

 

 







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