Kongressbericht zum AUA-Meeting vom 19. bis 23. Mai 2012 in Atlanta
Die vorgestellten Studien sowie zusätzliche Beiträge können online auf der folgenden Webseite nachgelesen werden: http://www.aua2012.org/abstracts/search.cfm. |
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PSA-Empfehlung der USPSTF / Früherkennung / Marker:
Zu den wichtigsten Ereignissen des AUA-Kongresses gehört die Empfehlung
der United States Preventive Services Task Force (USPSTF), die sich
gegen die Verwendung des PSA-Tests ausspricht, sowie die in mehreren
Foren von namhaften Urologen und der AUA geäußerten Reaktionen auf diese
Empfehlung. Die Arbeitsgruppe der USPSTF, die von der Verwendung des
PSA-Tests abrät, umfasst unter anderem Pädiater, Internisten,
Allgemeinmediziner und Epidemiologen, jedoch weder Urologen noch
Onkologen. Die USPSTF hat ihre Ablehnung des PSA-Tests bereits im
Oktober 2011 ausgesprochen. Aufgrund erheblichen Widerstands aus
verschiedenen Richtungen sollte die Empfehlung einer pauschalen
Ablehnung durch eine Ergänzung präzisiert werden. Dies wurde in der
abschließenden Stellungnahme aber nicht formuliert. Renommierte
Epidemiologen und Urologen äußerten Unverständnis über die aus ihrer
Sicht offensichtliche Fehlinterpretation der gegenwärtigen Studien und
die pauschale Ablehnung ohne Berücksichtigung von individuellen Faktoren
wie der ethnischen Herkunft, des Alters oder der positiven
Familienanamnese.
Sicher wird die USPSTF-Empfehlung nicht das
letzte Wort in der sehr kontroversen PSA-Debatte sein. Dies wurde in der
komplett besetzten „PSA-Townhall“-Sitzung offensichtlich: Auf die Frage
des Vorsitzenden Dr. Thompson (San Antonio), wer die USPSTF-Empfehlung
nicht unterstützen würde, hob die eindeutige Mehrheit der Teilnehmer die
Hand. Die Anzahl der Teilnehmer, die die USPSTF-Empfehlung
unterstützen, war vergleichsweise gering. Prof. Schröder als Initiator
der European Randomized Study for Prostata Cancer (ERSPC-Studie) wies
dabei auf die aktualisierten Ergebnisse der ERSPC hin, die deutlich
bessere Daten zugunsten des Screenings erbracht haben als die initialen
Daten aus dem Jahr 2009. Zu diesem Zeitpunkt war die Nachsorge noch
lange nicht ausreichend, um den vollen Screening-Effekt sicher erkennen
zu können. Die Patienten waren im Schnitt 63 Jahre alt und hatten eine
Lebenserwartung von über 15 Jahren. Es müssten daher Nachsorgedaten von
mindestens über 15 Jahre vorliegen, bevor eine definitive Antwort
gegeben werden kann. Allerdings zeigt die neueste Auswertung der ERSPC
immer weiter divergierende Überlebenskurven zwischen Screening- und
Kontrollarm sowie eine 29-prozentige Reduktion der Mortalität. Ruth
Etzioni vom Fred Hutchinson Cancer Research Center betonte, dass in
jeder Screening-Studie der Vorteil im Screening-Arm mit der Zeit
zunehmen würde. Aufgrund dieser Erfahrung ist zu erwarten, dass das
zukünftige Bild – welches das Screening befürwortet – positiver sein
wird als die gegenwärtige Literatur preisgibt. Demgegenüber blieb
USPSTF-Sprecher Timothy Wilt bei der ablehnenden Haltung. Wenn es einen
Vorteil gäbe, so sei dieser minimal. Es würden weniger als einer von
1000 Männern profitieren, wohingegen die Nachteile deutlich und häufig
seien. Dies rechtfertige die Grad-D-Empfehlung, die sogar noch eine
Verschärfung zur Grad-C-Empfehlung zum PSA aus dem Jahr 2008 darstellt.
Konsens unter den Teilnehmern der PSA-Townhall-Sitzung war:
Das PSA ist kein perfekter Marker, ein sinnvoller PSA-Gebrauch ist
extrem schwierig und patientenspezifisch. Dennoch stellt das PSA den
zurzeit besten zur Verfügung stehenden Marker dar. Weiterhin dürfte eine
pauschale Abkehr vom PSA im individuellen Patientenkontakt extrem
schwierig sein.
Der urinbasierte PCA3-Test wurde erneut in
mehreren Publikationen als vielversprechender Marker für die
Früherkennung des Prostatakarzinoms (PCa) erwähnt. Aktuell hat der
PCA3-Test die Zulassung der U.S. Food and Drug Administration (FDA)
erhalten, wobei der Schwellenwert auf 25 abgesenkt wurde. Die bisher
größte Studie an 1.928 Männern, bei denen das PCA3 vor der Erstbiopsie
bestimmt wurde, zeigte, dass das PCA3 besser als das PSA mit dem
Biopsieergebnis korrelierte (PCA3, p <0,0001; HGPCa, p <0,0001).
Der Einschluss von PCA3 in ein multivariates Modell verbesserte dessen
prädiktive Genauigkeit von 0,744 auf 0,771 (p = 0,01) für den
PCa-Nachweis und von 0,802 auf 0,816 (p = 0,05) für den HGPCa-Nachweis
(#1208 Chevli et al.: Urinary PCA3 as a predictor for prostate cancer in
a cohort of 1928 men undergoing initial prostate biopsy).
Analoge
Ergebnisse lieferten Ward et al. in 466 Rebiopsie-Patienten: Auch hier
zeigte der PCA3-Test eine bessere Identifikation von biopsiepositiven
vs. biopsienegativen Männern. So war das Risiko einer positiven Biopsie
bei einem PCA3-Score von ≥25 4,6-fach erhöht gegenüber einem PCA3-Score
von <25. Auch hier bewährte sich die Verwendung des PCA3-Scores mit
PSA und weiteren klinischen Daten in einem Nomogramm. Dessen prädiktive
Genauigkeit war bei Verwendung des PCA3-Scores signifikant höher als
ohne diesen (# 1211 Ward et al.: PROGENSA PCA3 Pivotal U.S. Clinical
Study Confirms Utility for Predicting Repeat Biopsy Outcome).
Chun
et al. präsentierten mehrere PCA3-basierte Nomogramme separat für
Initial- und Rebiopsie-Patienten und konnten belegen, dass diese
biopsiespezifischen Nomogramme unter Verwendung des PCA3-Scores akkurat
das Biopsieergebnis voraussagten (# 1210 Chun et al.: Biopsy-specific
PCA3-based prostate biopsy nomograms are highly accurate).
Die
multizentrische Validierung des PCA3-Tests (880 Patienten an elf
Testorten) belegte eine signifikant bessere Vorhersage des PCa, dabei
sowohl des PCa als auch des Gleason 4/5-PCa, im Vergleich zum
etablierten Risikokalkulator des Prostate Cancer Prevention Trial, wenn
dieser ohne vs. mit PCA3 angewandt wurde (#2206 Wei et al.: The NCI
Early Detection Research Network (EDRN) Urinary PCA3 Validation Trial).
Ein weiterer kommerziell erhältlicher Marker, das -2proPSA
(p2PSA), konkurriert mit dem PCA3 um die Rolle des ergänzenden Analytes
zur Erhöhung der Spezifität in der Biopsieentscheidung. In 222
Patienten, die einer Wiederholungsbiopsie unterzogen wurden
(PCa-Detektionsrate: 71/222, 31,9 %), waren -2proPSA, %p2PSA und der aus
dem p2PSA abgeleitete Prostate Health Index (phi) signifikant höher (p
<0,0001) und %p2PSA niedriger in PCa-Patienten. %p2PSA (AUC: 72,5 %)
und phi (AUC: 67,2 %) waren die besten Prädiktoren des
Biopsieergebnisses. Bei einer Sensitivität von 90 % und einem Cut-Off
von 1,23 für %p2PSA betrug die Spezifität 40,4 %. 153 Biopsien hätten
vermieden werden können und nur sechs PCa wären übersehen worden. Für
den phi wurde bei einer Sensitivität von 90 % und einem Cut-Off von 28,8
eine Spezifität von 25,2 % erreicht. Sechs PCa wären auch hier
übersehen worden, allerdings kein PCa mit einem Gleason-Score von 7 oder
höher (#2227 Lazzeri et al.: Serum isoform [-2]proPSA (p2PSA) and its
derivates, %p2PSA and PHI (prostate health index), are more accurate of
reference standard test (PSA) in men scheduled for repeat biopsy).
Lugezzani
et al. verwendeten ebenfalls das -2proPSA und den phi, um in 434
Patienten ein Nomogramm zu entwickeln, das zur Vorhersage des
Biopsieergebnisses in Patienten mit einer initialen 18- bis 22er-Biopsie
geeignet sein sollte. In ihrem Kollektiv wurden bei 179 Patienten
(41,2 %) PCa diagnostiziert. Phi erwies sich auch in dieser Studie als
der informativste Prädiktor des PCa-Nachweises in der Biopsie (AUC:
74,5 %; p < 0,001). Durch Einschluss des phi in ein multivariates
Modell wurde dessen prädiktive Genauigkeit signifikant (von 75,6 auf
79 %; p <0,001) erhöht (#370 Lugezzani et al.: Development and
internal validation of a Prostate health index (PHI) based nomogram for
predicting prostate cancer at initial biopsy).
Beide Marker, PCA3
und -2proPSA, dürften in Zukunft eine immer größer werdende Rolle
spielen, wobei bedacht werden muss, dass sie zurzeit nur als ergänzende
Marker zum PSA überprüft worden sind.
PET-CT-Diagnostik:
Salvage-Therapie (Lymphknotendissektion oder gezielte Radiatio) im
Rezidivfall, nach primär kurativer Therapie basiert auf PET-CT-basierter
Bildgebung. Mehrere Arbeitsgruppen analysierten den Stellenwert der
PET-CT-Diagnostik im Rezidivfall, allerdings mit uneinheitlichen Tracern
(18F-Cholin oder 11C-Cholin) und Ergebnissen: Idealerweise sollte eine
Bildgebung mit dem histologischen Ergebnis korreliert werden. Tutolo et
al. führten nach radikaler retropubischer Prostatektomie (RRP) und
PSA-Rezidiv ein 11C-Cholin-PET und anschießend eine
Salvage-Lymphknotendissektion durch. Dabei zeigte sich: Ein singulär
positiver Befund im PET-CT entspricht nur in 19 % aller Fälle einer
singulären Metastase, während sich in 34 % multiple Metastasen außerhalb
des im PET-CT angezeigten Bereiches befanden, so dass die Wertigkeit
der PET-CT in dieser Situation als niedrig einzustufen ist (#178 Tutolo
et al.: A single spot at [(11)C]choline-PET/CT scan is not predictive of
a single, isolated nodal metastasis at final pathology. Implications
for salvage treatments).
Übereinstimmend
dazu berichteten Tilki et al., dass die Sensitivität zur
Lymphknotendetektion unter Verwendung eines 18F-Cholin-PET und
Salvage-Lymphknotendissektion nur 40,6 % betrug und zur präoperativen
Erkennung aller positiven Lymphknoten nicht empfohlen werden kann (#184
Tilki et al.: Value of 18F-Choline PET/CT in detection of lymph node
metastases in patients with PSA failure after radical prostatectomy:
Histological verification after secondary lymphadenectomy).
Im
Gegensatz dazu beschrieben Suardi et al. in 71 Patienten mit
11C-Cholin-PET nach Salvage-Lymphknotendissektion, dass unter Verwendung
eines sehr großen Templates (rechtsseitig pelvin, linksseitig pelvin
oder retroperitoneal) die Lymphknotenmetastasierung in den spezifischen
Templates mit einer Sensitivität von 75,5 % und einer Spezifität von
77,9 % erreicht werden kann. Diese besseren Daten aus der gleichen
Arbeitsgruppe wie Tutolo et al. (#178) lassen sich aber damit begründen,
dass lediglich das Template größer gewählt wurde; eine punktgenaue
Lokalisation von Lymphknotenmetastasen innerhalb eines Templates wurde
nicht beschrieben (#182 Suardi et al.: Evaluation of lymph node
recurrent prostate cancer with integrated [11C]choline PET/CT in
patients with PSA failure afterradical prostatectomy: validation by
histological analysis).
In
der Rezidivdiagnostik wird ein PET-CT mit 11C-Cholin-PET erst ab einem
PSA-Wert von 2 ng/ml ein positives und somit verwertbares Signal
liefern. Dies geht aus der Analyse von 176 Patienten mit biochemischem
Rezidiv hervor, die nach radikaler Prostatektomie untersucht wurden. In
dieser Situation betrug die Sensitivität bzw. Spezifität mit jeweils dem
positiven und negativen prädiktiven Wert 93 % und 76 % bzw. 91 % und
81 %. Ein klinisch sinnvolles Ergebnis, definiert als Nachweis einer
Läsion, die nur im PET-CT, aber nicht in anderen bildgebenden Verfahren
gesehen wurde, und welches weitere Therapien nach sich zog, wurde nur in
32 % der Fälle erkannt. Der PSA-Cut-Off von 2 ng/ml war in der
multivariaten Analyse (HR = 1,37, 95 %; CI: 1,0-1,01, p = 0,04) ein
signifikanter Prädiktor des positiven 11C-Cholin-PET-CT (#2039 Mitchell
et al.: Impact of 11C-Choline PET/CT scan on detection of recurrent
prostate cancer in men with biochemical recurrence following failed
initial treatment).
Patienten mit einem lymphogen metastasierten
Prostatakarzinom nach RRP: Mehrere Arbeiten beschäftigten sich mit dem
Langzeitüberleben Lymphknoten-positiver Patienten. Hierbei scheint sich
die zunehmende Evidenz einzustellen, dass zumindest bei einer sehr
geringen lymphogenen Metastasenlast eine langfristige Heilung möglich
ist. Tschan et al. untersuchten 88 LN-positive Patienten mit einem
medianen Nachsorgezeitraum von 15,2 (1,1-22,4) Jahren. 43/88 (49 %) bzw.
17/88 (19 %) Patienten verstarben karzinomspezifisch bzw. an anderen
Ursachen. Auffällig war, dass in Patienten mit nur einem positiven
Lymphknoten (n = 39) 26 % karzinomspezifisch verstarben, 23 % nur einen
asymptomatischen PSA-Progress zeigten und weitere 23 % vollständig
rezidivfrei waren. Im Gegensatz dazu starben 67 % aller Patienten mit ≥ 2
Metastasen karzinomspezifisch, 100 % entwickelten einen PSA-Progress
und nur 6 % blieben rezidivfrei. Die Autoren folgern, dass in Patienten
mit niedriger Metastasenlast ein Langzeitüberleben möglich ist (#765
Tschan et al.: Disease progression and survival of patients with
positive lymph nodes after radical prostatectomy: There is a chance of
cure).
Analoge
Daten liefern Pierorazio et al. aus der Arbeitsgruppe um Walsh: Eine
PSA-Freiheit von 7,1 %, eine Metastasenfreiheit von 41,5 % und ein
karzinomspezifisches Überleben von 57,5 % konnte nach einem medianen
Follow-Up von 15 Jahren beobachtet werden, so dass eine dauerhafte
Tumorkontrolle in Patienten mit geringer Lymphknoten-Tumorlast möglich
war (#767 Pierorazio et al.: Pathological and Oncologic Outcomes for Men
with Positive Lymph Nodes at Radical Prostatectomy: 30-year Experience
from a Single Institution).
Gallina
et al. verglichen karzinomspezifisches und Gesamtüberleben von 189
Patienten mit einer mikrofokalen Metastase und 378 anhand von PSA,
pT-Stadium, RRP-Gleason und Margin-Status gematchten pN0-Patienten nach
erweiterter Lymphadenektomie. Es wurden im Mittel 20,4 (median 19;
10-60) Lymphknoten entnommen. Das Follow-Up belief sich auf 50,9 (median
45; 1,0-211,1) Monate. Das karzinomspezifische bzw. Gesamtüberleben
betrug nach fünf, acht und zehn Jahren 96,7 %, 89 %, und 89 % bzw.
89,9 %, 81,1 % und 81,1 %. Patienten mit negativen Lymphknoten zeigten
89,7 % und 88,6 % karzinomspezifisches Überleben nach fünf und zehn
Jahren gegenüber 89,9 % und 89,4 % in Patienten mit einer Lymphknotenmetastase
(#770 Gallina et al.: A single positive lymph node has no detrimental
effect on survival of patients with prostate cancer treated with
extended pelvic lymph node dissection. Results of a matched controlled
analysis).
Auch in Patienten mit höherer Metastasenlast ist ein
Langzeitüberleben möglich. Suardi et al. demonstrierten in dieser
Situation ein Zehn-Jahres-PCA-spezifisches-Überleben von 66 %.
Allerdings zeigte sich in ihrer Kohorte von 779 Patienten mit ≥3
positiven Lymphknoten, dass neben der Anzahl der positiven Lymphknoten
die Durchführung einer adjuvanten Radiatio, allein oder in Kombination
mit einer antiandrogenen Therapie, signifikant mit dem
karzinomspezifischen Überleben korrelierten. Folglich wird ein
multimodales Therapiekonzept in dieser Patientenkohorte befürwortet, um
Patienten mit höherer Metastasenlast eine möglichst lange Tumorkontrolle
zu ermöglichen (#772 Suardi et al.: Predictors of long-term survival of
patients with high volume of nodal metastases at extended pelvic lymph
node dissection for prostate cancer. The importance of an integrated,
multimodal approach).
Aktuelle Daten zur Hormontherapie: Die
intermittierende Hormontherapie bei fortgeschrittenem PCa wurde in zwei
randomisierten Studien, CAB 917 und MAB 626, evaluiert. Calais da Silva
et al. poolten die Ergebnisse beider Studien und untersuchten
karzinomspezifisches und Gesamtüberleben in Patienten, die
intermittierend und kontinuierlich behandelt wurden. Als wesentlichstes
Ergebnis fand sich kein Unterschied im Gesamtüberleben im
intermittierenden Arm gegenüber dem kontinuierlichen Arm in beiden
Studien. In beiden Studien fanden sich weniger kardiovaskulär bedingte
Todesfälle im intermittierenden Arm. Nach Randomisierung fand sich eine
geringe Einschränkung der Sexualität im intermittierenden gegenüber dem
kontinuierlichen Arm. Die Autoren folgern, dass die intermittierende
Therapie im klinischen Alltag etabliert werden sollte, da sie keinen
nachteiligen Effekt auf das Gesamtüberleben und die Lebensqualität bei
gleichzeitig besserer sexueller Aktivität und ökonomischen Vorteilen für
die Leistungserbringer hat (#776 Calais da Silva et al.: Pooled
Analysis of two protocols of intermittent hormonal therapy in advanced
prostatic cancer).
Auch Spencer et al. präsentierten Daten, die
die Anwendung der intermittierenden Androgendeprivation (ADT)
befürworten. Anhand von Daten aus dem „Surveillance, Epidemiology, and
End Results Program“ (SEER-Datenbank) von 1991 bis 2007 wurden
karzinomspezifische und Gesamtmortalität von intermittierender und
kontinuierlicher Hormontherapie verglichen. Hierbei fand sich eine
Reduktion sowohl der Gesamtmortalität (HR 0,84, CI 0,75-0,93) als auch
der karzinomspezifischen Mortalität (HR 0,82, CI 0,71-0,95) in
Patienten, die eine intermittierende Hormontherapie erhielten. Auffällig
war, dass Patienten eher eine intermittierende Therapie erhielten,
wenn:
- sie jünger waren,
- die Karzinomdiagnose neueren Datums war,
- die Patienten in urbaner Region lebten,
- der behandelnde Arzt eine Urologin war oder
- die Patienten nicht privat versichert waren
(#941
Spencer et al.: Intermittent vs. Continuous Androgen Deprivation
Therapy among Elderly Patients with Advanced Prostate Cancer).
Bei
der Anwendung der Hormonentzugstherapie sollten insbesondere bei
Patienten mit nicht-metastasierten Prostatakarzinomen die
kardiovaskulären Nebenwirkungen berücksichtigt werden. Hu et al.
analysierten in über 180.000 Patienten (Zeitraum von 1992 bis 2007) die
Assoziation der ADT (GnRH in 47,8 % der Patienten) oder Orchiektomie
(2,2 % der Patienten) zum Auftreten einer peripheren arteriellen
Verschlusskrankheit (pAVK) bzw. eines thromboembolischen Ereignisses:
Nach GnRH und Orchiektomie fand sich ein 1,16-fach bzw. 1,13-fach
erhöhtes Risiko einer pAVK und 1,09-fach bzw. 1,21-fach erhöhtes Risiko
eines thromboembolischen Ereignisses (#170 Hu et al.: Androgen
deprivation therapy for non-metastatic prostate cancer is associated
with an increased risk of peripheral arterial disease and venous
thromboembolism).
Die
kurzfristigen Effekte der GnRH-Therapie auf die Lebensqualität von
Patienten untersuchten Rodriguez et al. Hierbei wurden fünf validierte
Fragebögen angewandt:
- International Index of Erectile Function (IIEF): Änderungen der Sexualität
- Aging Males' Symptoms Scale (AMSS): Androgendefizit
- Mini-Mental-Test (MM): Kognitiv
- Short Form Health Survey (SF-12): Lebensqualität
- Beck Depression Inventory (BDI): Mentaler Status und Depression
Die Daten wurden nach drei
und sechs Monaten ausgewertet. Es zeigten sich bereits kurzfristig ein
deutlicher Abfall des IIEF und ein kontinuierlicher Abfall des AMSS als
Folge des Androgendefizits. Kognitive und mentale Aspekte sowie die
Lebensqualität waren sechs Monate nach Einleitung der GnRH-Therapie
nicht signifikant verändert. Die Autoren folgern, dass die Patienten
bereits kurzfristig über die Einschränkungen des IEFF und die Folgen des
Androgendefizits informiert werden müssen und dass sich Lebensqualität,
kognitive und mentale Fähigkeiten zumindest bei der kurzzeitigen (≤
sechs Monate) GnRH-Therapie nicht signifikant verändern (#773 Rodriguez
et al.: Prospective evaluation of the early impact of the LHRH
analogues in the treatment of prostate cancer, in sexual,
psychocognitive, emotional and quality of life parameters).
Langfristig
scheint die ADT in Hochrisikopatienten nach radikaler Prostatektomie
keinen signifikanten Einfluss auf das Gesamtüberleben (OS) von Patienten
zu haben: In 1.247 Patienten nach RRP (1988 bis 2004) wurde nach dem
Charlson Comorbidity Index (CCI) stratifiziert und das OS in Patienten
mit vs. ohne ADT verglichen. Das Zehn-Jahres-OS in ADT- vs.
Nicht-ADT-Patienten war 75 % vs. 82 % (p = 0,54) in der CCI-0-Kohorte, 72 %
vs. 76 % (p = 0,83) in der CCI-0-Kohorte und 70 % vs. 68 % (p = 0,33) in
der CCI-0-Kohorte (≥ 2) (# 940: Adjuvant Hormonal Therapy Does Not
Adversely Impact Overall Survival Following Radical Prostatectomy For
Men With High Risk Prostate Cancer When Stratified By Charlson
Comorbidity Index or Cardiovascular Risk Factors).
Bisphosphonate
werden zur Reduktion skelettaler Komplikationen bei Männern mit
metastasiertem PCa unter antiandrogener Therapie immer häufiger
angewendet. SEER-Daten von 2001 bis 2006 belegen dabei eine signifikante
Abnahme ossärer Komplikationen (HR 0,43, ± 0,29) (#945 O'Shaughnessy
et al.: Zoledronic acid use is associated with decreased risk of bone
fractures in men with metastatic prostate cancer: a populationbased
study).
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